
Einträge ges.: 53
ø pro Tag: 0
Kommentare: 102
ø pro Eintrag: 1,9
Online seit dem: 18.03.2007
in Tagen: 1802
Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Weihnachtsstübchen
Die quälende Frage

Dienstags besuchten Marc und Amanda meistens ihre Oma Marena, die sie liebevoll Ami nannten. Sie konnten es dieses Mal kaum abwarten, denn sie hatten richtigen Kummer und mussten ihn loswerden. Kaum saßen sie im Auto, da erzählten die Kinder ganz empört, was ihr Papa am Vorabend zu ihnen gesagt hatte: „Für einen Adventkalender seid ihr schon viel zu groß!“ Das empfanden die Siebenjährige und der Achtjährige überhaupt nicht so und wollten sofort Amis ehrliche Meinung dazu hören. Sie hatte für ihre Lieblinge immer ein offenes Ohr. Kaum waren die drei zuhause angekommen, da setzte sich die Großmutter an den Computer und schrieb schnell eine E-mail an den „Nikolaus“.
Einige Tage später meldete sich der „Nikolaus“ per Internet und antwortete, dass sich dieses Jahr so viele Kinder einen Kalender wünschten und er mit der Produktion nicht hinterher käme. Da die beiden aber das ganze Jahr in der Schule fleißig waren, würde er diese Angelegenheit zur „Chefsache“ erklären und zusehen, was er für sie tun könne. Die Geschwister warteten gespannt ab, keine weiteren Nachrichten folgten und man harrte der Dinge, die kommen sollten.
Endlich, am 30.11. war es so weit. Eilig lieferte der Nikolaus zwei Kalender vor der Haustür der Familie Keller ab und verschwand. Marc und Amanda waren begeistert, dass alles wie am Schnürchen klappte. Am 1. Dezember öffneten die Geschwister das erste Türchen, doch was war das? Eine große Tüte rutschte Marc entgegen und er freute sich riesig und hoffte, dass es nun jeden Tag so weiter ginge. Seine Mama ahnte fast das Malheur und zog ihrem Sohn den Kalender fort. Und richtig, der Nikolaus hatte vergessen die Playmobil-Kalender zusammenzubauen. Na ja, Pannen passierten überall und so nahmen die Kinder es dem Nikolaus nicht weiter übel.
In den nächsten Tagen traf wieder vom „Nikolaus“ ein kurzes Email bei Familie Keller ein. Es war eine kleine Erinnerung an Amanda und Marc, wann ihre Wunschzettel abholbereit sein sollten. Heutzutage war alles mit der modernen Technik möglich.
Am Nikolaustag war es so weit. Die Wunschzettel waren verschwunden, die Stiefel reichlich gefüllt und die Kinder endlich beruhigt. Jetzt hieß es abwarten und Daumen drücken, ob der Weihnachtsmann alles am Lager hatte.
Na ja, Marc zweifelte anfangs schon ein bisschen, zumal einige böse Zungen in der Schule behaupteten, dass es den Weihnachtsmann überhaupt nicht gäbe. Was war dran an dieser Geschichte? Marc wollte der Sache auf den Grund gehen.
Amanda ließ sich nicht beirren und war fest davon überzeugt, dass es diesen gütigen Mann wirklich gäbe. Marc zweifelte immer noch, denn überall in der Stadt liefen verkleidete Gestalten herum; ob sich etwa der richtige Weihnachtsmann unter das Volk mischte? Na ja, der rotgekleidete Mann wusste vieles von einem und ließ sich nie ein X vor ein U machen, oder petzten etwa die Eltern heimlich?
Marc beschloss beim nächsten Besuch die Ami zu fragen, sie wusste auf vieles eine Antwort.
Und so geschah es dann auch. Ami holte die wartenden Kinder wieder mit dem Auto ab. An diesem Nachmittag schauten sie zu dritt Santa Claus 2. Oha, im Film ging es hoch her und diese quälende Frage kam unweigerlich wieder hoch. Jetzt hieß es Farbe bekennen: Was wusste Ami über den Weihnachtsmann? Schließlich war sie schon sechzig Jahre alt und hatte eine Menge Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt. Auf der Rückfahrt gab es für Oma kein Entrinnen mehr und sie wurde mit Fragen bombardiert. Natürlich wollte Oma erst einmal hören, was ihre Enkel zu diesem Thema zu sagen hatten.
Amanda war immer noch felsenfest davon überzeugt, dass es den Weihnachtsmann gäbe, doch Marc holte ein bisschen weiter aus und erklärte folgendes:
„Das ist doch so - wie die Sache mit Gott. Wer hat ihn schon jemals gesehen? Man geht jeden Sonntag in die Kirche und glaubt fest an ihn. Weißt du, er ist doch auch schon über 2000 Jahre alt und hat so manches mit seinen Strafen verbockt. Ich finde das nicht gut - mit den ganzen Plagen und was er so alles verzapft hatte. Na ja, mit dem zunehmenden Alter ist er ruhiger geworden und die Strafen fallen jetzt milder aus. Vielleicht ist Gott einfach nur müde geworden und schläft jetzt mehr, deshalb stellt er nicht mehr so viel an.“
Amanda stimmte ihrem Bruder eifrig zu. „Ja, das kannst du ruhig glauben, Ami, so hat es Marc im Kommunionsunterricht gelernt. Aber unsere Frage ist ja noch längst nicht beantwortet, gibt es ihn oder nicht?“ beharrte das blondgelockte Mädchen auf eine klärende Antwort.
Oma schwieg eine Weile und dachte nach, bis sie endlich vor einer roten Ampel halten musste. Plötzlich sagte sie in die Finsternis hinein: „Stellt euch vor, es gäbe überhaupt keinen Weihnachtsmann. Was wäre dann?“
„Oh je, oh je, oh jemine!“, stimmten die beiden ein Klagelied an. „Das wäre absolut furchtbar!“, stellte Marc fest, „dann müssten die Eltern die Geschenke kaufen, oder du und der Api, das würde dann richtig teuer für euch werden!“
„Das denke ich auch“, sagte Oma lachend. „Und wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe, was passiert dann?“
Marc wiegte bedenklich seinen Kopf hin und her. „Na ja, dann gäbe es keinen Weihnachtsbaum und keine Geschenke. Das wär ganz schön traurig!“
„Und keine Krippe, und was würde aus den ganzen Weihnachtsliedern und Geschichten werden?“, fügte Amanda aufgeregt hinzu, „All das würde überhaupt nicht existieren. Dann wäre das Fest ganz schön doof und langweilig, so ganz ohne diese Vorfreude. Das geht doch überhaupt nicht! Oder?“
Die Ampel zeigte grün und Oma fuhr weiter. „Ich bin nun auch davon überzeugt, dass es ihn gibt“, murmelte Marc erleichtert.
„Na klar - gibt es ihn“, bestätigte Oma, „ihr könnt ihn nur nicht sehen. Genauso wenig wie wir begreifen, dass so schwere Flugzeuge sich mit Leichtigkeit in die Lüfte erheben und wir kleinen Menschen können es nicht. Die wichtigen Dinge des Lebens bleiben für unser Auge unsichtbar. All diese Wunder kann der Klügste auf dieser Welt nicht sehen, nur der Glaube können diese Wunder bewahren. Ich bin auch davon überzeugt, dass es den Weihnachtsmann gibt, leider fällt das den meisten Erwachsenen ziemlich schwer zu glauben.“
„Und wie funktioniert das mit den Wunschzetteln?“, schob Amanda gleich die nächste Frage hinterher?“
Leider fanden die drei keine plausible Erklärung dafür, doch letztendlich wurde man sich einig, dass ruhig mehrere Wünsche auf dem Zettel stehen dürfen, falls mal etwas beim Weihnachtsmann vergriffen sein sollte. Diese Antwort gefiel der Oma sehr, vor allen Dingen, dass die kleinen Leute wussten, dass nicht immer alles erfüllt werden konnte. Denn schließlich hatte Marc zwei Tage später Geburtstag und dafür musste ja auch noch ein Geschenk übrig bleiben.
Die Kinder berichteten von ihrem Keyboard-Unterricht und das sie gerade ein Weihnachtslied übten. Wenn die Familie schön brav war, dann würden sie das Lied am Heiligen Abend vorspielen. Unterwegs sangen die drei ganz laut Stille Nacht, Heilige Nacht, bis Oma vor der Haustür hielt. Alle waren zufrieden und freuten sich auf das bevorstehende Fest, da Tante Joy sich mit Timmy und Onkel Billy angesagt hatte.
An diesem Abend vergaßen die Kinder ihre Wünsche für einen Moment und dachten noch lange über dieses Gespräch nach. Die Hauptsache war doch, dass die ganze Familie gesund und glücklich beieinander sein konnte.
© Marena Stumpf
Marena Stumpf 05.09.2010, 18.48 | (6/0) Kommentare (RSS) | PL
Besinnliche Adventzeit
Ich wünsche allen Lesern eine besinnliche Adventzeit
.
Marena Stumpf 27.11.2008, 21.59 | (0/0) Kommentare | PL
Wird der Weihnachtsmann arbeitslos?

„Wo bleiben denn dieses Jahr nur die Wunschzettel der Kinder?“, wunderte sich der Weihnachtsmann. Er schaute auf den Wandkalender und las leise: „ 20. November.“
Nachdenklich fuhr er sich durch den schlohweißen Bart und brummte: „Da stimmt doch etwas nicht, noch kein einziger Wunschzettel. Entweder streikt die Post, oder es gibt einen anderen triftigen Grund dafür. Der Sache werde ich sofort auf den Grund gehen.“
Er rief den Oberelfen
zu sich. „Es sieht so aus, als ob wir dieses Jahr nichts zu tun bekommen und
das begreife ich nicht“, sagte Santa Claus erregt.
„Und was gedenkst du zu unternehmen?“, erkundigte
sich sein Helfer und zupfte sich dabei nervös an der langen Nasenspitze.
„Ich werde
mich unter das Volk mischen und meine Ohren offen halten.“ Kaum hatte Santa den
Satz beendet, da eilte er zum Schrank und holte seinen roten Mantel und die
Mütze heraus.
„Aber, aber,
du wirst doch nicht zu dieser Jahreszeit in deiner roten Weihnachtskluft durch
die Menschenmengen laufen“, gab der Elf zu bedenken. „Da kichern ja die Hühner
und die Rentiere fangen an zu jodeln. Die Leute werden dich für verrückt
erklären, obwohl es schon seit Mitte September Schokoladenmänner zu kaufen gibt
…“
Der
Weihnachtsmann blieb stehen und dachte einen Moment nach. Er nickte einsichtig
und hängte seine Sachen wieder zurück. „Sicherlich hast du Recht, mein treuer
Freund. Einverstanden, ich ziehe meinen braunen Mantel an, so gekleidet wird
mich bestimmt niemand erkennen. Um kein Aufsehen zu erregen, werde ich auch
nicht mit dem Rentierschlitten fahren, sondern den Hundeschlitten nehmen.“
Bereits am Vormittag erreichte er eine größere
Stadt. Er hielt am Waldrand und bat die Huskys brav auf ihn zu warten. Neugierig
schaute der alte Mann sich in den festlich geschmückten Geschäften um. Sein Weg
führte ihn an einem Schulhof vorbei. Die Schüler hatten gerade große Pause.
Einige standen an den Zaun gelehnt und unterhielten sich. Sie bemerkten den
Zuhörer nicht, der sich ihnen von hinten auf leisen Sohlen näherte.
„Hast du
deinen Eltern schon deine Wünsche gesteckt?“, fragte einer der Jungen. „Sicherlich
sind sie aus den Latschen gekippt, als sie den Preis für die Raumstation erfuhren!“
Der andere Schüler
winkte lässig ab. „Dann müssen eben
meine Großeltern tiefer in die Tasche greifen“, antwortete dieser ziemlich
vorlaut.
Das wurde Santa
nun doch zu bunt und er mischte sich ein. „Habt ihr es mal mit einem
Wunschzettel an den Weihnachtsmann versucht?“, fragte er verärgert in die Runde.
„Hey Opa,
mache dich nicht lächerlich. Wer glaubt denn heutzutage noch an den
Weihnachtsmann? Das kannst du jemanden ohne Uhr erzählen, aber nicht uns. Jedes
Milchgesicht weiß doch, dass es ihn nicht gibt“, pöbelte ein anderer Jungendlicher
sofort los.
„Oh, oh, da
wäre ich mir nicht so sicher. Vielleicht erlebst du noch dein blaues Wunder.“
Mit gesenktem Kopf zog der Weihnachtsmann weiter und hielt vor einem
Kindergarten an. Einige Mädchen spielten Fangen im Garten und plötzlich
stolperte eines der Kinder und fiel der Länge nach hin. Besorgt kletterte der
alte Mann über den Zaun. „Oh, Kleines, du musst besser Acht geben, sonst
verletzt du dich noch.“
Das blonde
Mädchen schaute geradewegs in seine hellblauen Augen. „Autsch, das tut so weh“,
jammerte es plötzlich. Tränen kullerten ihr über die Wangen, als ihr Blick auf das
blutige Knie fiel.
„Das glaube
ich dir gerne, Mareike“, flüsterte der weise Mann und hielt einen Moment seine Hand schützend über ihr Knie. Sofort
ließ der Schmerz nach. Vom Blut und dem Loch in der Strumpfhose war kurz darauf
nichts mehr zu sehen.
Die
umstehenden Mädchen trauten ihren Augen nicht und sie begannen zu tuscheln.
„Hast du das gesehen? Das war ja die reinste Zauberei! Wer mag wohl dieser
geheimnisvolle Mann sein?“
Die
Kindergärtnerin kam sofort aus dem Gebäude gerannt und rief: „Kinder, was ist
hier draußen los und was hat dieser Fremde auf unserem Gelände zu suchen?“
„Christiane,
Christiane, er ist ein richtiger Zauberer, er legte seine Hand auf Mareikes
blutiges Knie und hat es wieder gesund gemacht!“, berichtete Johanna aufgeregt.
Christiane
sah in die gütigen Augen des Mannes und irgendwie kam ihr der Fremde vertraut
vor, doch sie konnte sich nicht erinnern, wann sie ihm schon einmal begegnet
war. Mareike sprang auf, als ob nie etwas geschehen war, und spielte mit ihren
Freundinnen weiter.
Langsam
erhob sich der Weihnachtsmann vom kühlen Boden. Die Erzieherin reichte ihm die
Hand zum Aufstehen. „Kennen wir uns von irgendwo her?“, fragte sie neugierig.
Er nickte. „Ja, das ist aber schon sehr, sehr lange her. Vielleicht halten Sie
mich für ein bisschen verrückt …, ich bin der Weihnachtsmann.“
Christiane
dachte: „Der Alte hat doch nicht alle Latten am Zaun, sicherlich ist er aus
einem Altersheim ausgebüchst und ein bisschen verwirrt im Kopf.“ Trotzdem war
sie um sein Wohl besorgt und führte den Unbekannten in die Küche. Schnell
setzte sie, für einen wärmenden Tee, einen Kessel mit Wasser auf die Herdplatte.
„Aha, jetzt
ist es mir wieder eingefallen“, sagte Santa erleichtert, „ Sie müssen damals so
um die sechs Jahre gewesen sein und Sie wünschten sich eine Negerpuppe mit
grünen Zöpfen. Leider hatten wir in der Werkstatt nur noch blonde Haare übrig
und deshalb bekamen Sie eine kahlköpfige Puppe geschenkt. Immerhin setzten wir
ihr blaue Klapperaugen ein, mit ganz langen Wimpern.“
Sprachlos stand
Christiane mit geöffnetem Mund da. Nie zuvor hatte sie jemanden von ihrem
abartigen Wunsch erzählt. Ihre Beine wurden weich wie Pudding und sie tastete
sich an der Tischkante entlang um nicht umzukippen. „Bist du es wirklich,
Santa?“, stammelte sie und konnte ihren Blick von ihm nicht lassen. „Ich kann es nicht glauben, aber was führt
dich um diese Jahreszeit zu uns?“
Der
Weihnachtsmann begann von seinen Sorgen zu erzählen. „Kannst du mir vielleicht
erklären, warum die Kinder keine Wunschzettel mehr schreiben?“
Christiane
zuckte mit den Schultern. „Das kann viele Gründe haben. Vielleicht liegt es an
den Eltern? Sie gehen mit ihren Kindern in die Kaufhäuser oder zeigen ihnen
Spielsachen in den Katalogen und dann
dürfen sich die lieben Kleinen etwas aussuchen. Auf alle Fälle macht das
weniger Arbeit, als sich mit ihnen hinzusetzen und einen Wunschzettel säuberlich
an dich zu schreiben. Oder liegt es eventuell an eurer veralteten Arbeitsweise?
Früher gab es Puppen, Autos, Himmelbettchen oder Roller, die ihr noch in eurer
Werkstatt selbst gebaut habt, doch schau dir heutzutage die hochmodernen und
technischen Spielzeuge an. Könnt ihr überhaupt so etwas herstellen? Die Kinder
wünschen sich jetzt Handys, Spielkonsolen, Raumschiffe oder bewegliche Roboter.“
Betrübt
schüttelte er sein weißes Haupt. Unumwunden musste er zugeben, dass er und die
Elfen sich mit der heutigen Technik überhaupt nicht auskannten. Der Alte rieb
sich verzweifelt an der Stirn. „Das ist doch zum Haare raufen. Nun bin ich so
alt geworden und habe nicht einmal bemerkt, wie schnell der Fortschritt seinen
Lauf genommen hat. Hast du eine Idee, wie wir unsere Werkstatt schnellstens modernisieren
können?“
Angestrengt
dachte Christiane nach, dann sagte sie lächelnd: “Ich glaube, ich habe eine
Idee. Mein Vater Gustav und mein Mann Niels arbeiten in der Spielzeugforschung.
Begleite mich nach Feierabend nachhause und wir werden mit ihnen reden.“
Dem
Weihnachtsmann fiel ein Stein vom Herzen. Er konnte es kaum abwarten die beiden
kennenzulernen. Als die junge Frau am späten Nachmittag ihren fremden Gast
vorstellte, brachen Gustav und Niels in schallendem Gelächter aus, denn sie glaubten,
es wäre wieder einer von ihren Kindergartenscherzen.
Christiane wurde
wütend und schämte sich zugleich über das Benehmen ihrer Familie. „Hört sofort auf
zu lachen! Dafür ist die Sache viel zu ernst. Der Weihnachtsmann steckt in
Schwierigkeiten. Glaubt mir doch und hört euch erst einmal an, was er zu sagen
hat!“
Der
Weihnachtsmann berichtete alles und warum ihn seine Reise jetzt schon zu den Menschen führte. Niels
kratzte sich nachdenklich am Kopf. „In der Tat, ihr habt ein echtes Problem.
Bei euch ist nämlich die Zeit stehen geblieben. Das können wir in ein paar
Stunden auch nicht beheben. Ihr müsstet alles neu, von der Picke auf, lernen
und das noch kurz vor dem Fest. Meinst du, dass ihr das schaffen werdet?
Mit tiefer
Stimme unterbrach Gustav seinen Schwiegersohn. „Wir haben doch noch so viele
Überstunden abzubummeln, und wenn wir den Weihnachtsmann zum Nordpol begleiten
würden – das müsste doch gehen, und bis zum Heiligen Abend hätten wir noch
genug Zeit den Elfen alles Wichtige beizubringen.“
„Nein, nein,
das packen wir zeitlich nie!“, winkte der Weihnachtsmann hoffnungslos ab.
Doch Gustav
ließ nicht locker. „Ich habe noch einen viel besseren Einfall. Heute Abend
erstelle ich dir eine tolle Homepage, wo die Kinder dir direkt ihre Wünsche per
Email mitteilen können. Du wirst sehen, das funktioniert ratz-fatz!“
„Das ist
ganz lieb von dir Gustav, aber ich weiß ja nicht einmal, wie man einen Computer
einschaltet, ganz zu schweigen wie so eine Kiste funktioniert ….“
Zusammengesunken saß der Weihnachtsmann auf der Couch und wusste nicht mehr
weiter.
„Auf!“,
sagte der Vater energisch, „machen wir uns ans Werk. Im Betrieb ist unsere
Weihnachtsproduktion längst beendet. Wir helfen jetzt dem Weihnachtmann. Ich
bastele für dich eine schöne Homepage und Christiane wird dir am anderen
Computer zeigen, wie alles funktioniert. Es ist wirklich nicht schwer zu
lernen. Und Niels, du rufst bei unserem Boss an und verklickerst ihm, dass der
Weihnachtsmann einen Notfall hat und wir ihm dringend helfen müssen. Ach ja,
vergesst nicht die Zeitungen zu informieren, sie müssen unbedingt darüber
berichten.“ Danach verschwand der Vater für einige Stunden im Hobbykeller.
Die Augen
des Weihnachtsmannes begannen zu glänzen und er schöpfte neuen Mut. Christiane
erklärte ihm alles Wichtige. Anfangs begriff er überhaupt nichts, doch dann
schrieb er alles auf, damit er auch nichts vergaß.
Nach einigen
Stunden tauchte Gustav wieder auf. „So,
das wäre geschafft. Von jetzt an können dir alle Kinder ihre Wünsche Online
mitteilen und ich habe auch ein paar Computer für deine Werkstatt bestellt. Sie
werden in den nächsten Tagen zum Nordpol geliefert. Na ja, die schenke ich dir,
als kleine Entschuldigung, weil wir uns vorhin so über dich lustig gemacht
haben“, meinte Gustav peinlich berührt, denn insgeheim glaubte er noch fest an
den Weihnachtsmann.
Bedenklich
wiegte Santa Claus seinen Kopf hin und her und wiederholte langsam die
fremdklingenden Worte: „O-n-l-i-n-e? E-m-a-i-l? I-n-t-e-r-n-e-t? Das hört sich
alles für mich, wie Chinesisch rückwärts an. Meint ihr wirklich, dass das gut
geht? Ich habe Angst vor dieser großen Umstellung. Ich glaube, dass wir im
hohen Norden schon viel zu alt für diese Spielereien sind.“
„Online
bedeutet nichts anderes, als mit dir direkt verbunden zu sein“, versuchte Niels
ihm zu erklären. „Und die Kinder müssten mit ihren Wunschbriefen nicht mehr zum
Postamt gehen. Sie schreiben dir von zuhause aus eine Elektronische Post, dazu
sagt man auch Email. Außerdem ist es nie zu spät zum Lernen. Bis zum Fest
werden wir euch nicht mehr von der Seite weichen. Du must mir aber versprechen,
dass wir bis zum Heiligen Abend wieder zurück bei meiner Frau sind.“
Christiane
packte für ihre Männer ein paar warme Sachen zusammen und begleitete die drei
bis zum Waldrand. Noch lange winkte sie dem Husky-Schlitten hinterher. Sie
wusste, dass noch eine Menge Arbeit vor ihnen lag.
Pünktlich,
wie versprochen, brachte der Weihnachtsmann am 23. Dezember seine beiden Helfer
zurück. Sanft setzte der Rentierschlitten vor dem Haus auf. Überglücklich und aufgeregt
berichtete Niels sofort seiner Frau vom
Nordpol und der tollen Rückreise.“Alle Elfen waren so lieb und hilfsbereit. Es
war eine wahre Wonne mit ihnen zu arbeiten. Eine Gruppe Elfen hatten wir für die
Wunschzettel eingeteilt und die Klügsten mussten an einem Computerkurs
teilnehmen. Sie lernten alle erstaunlich schnell. Nun ja, bis auf den Schlaumeier,
von Oberelfen. Er tat sich ein bisschen schwer. Manchmal war sein krummer
Finger viel zu schnell und er löschte, aus Versehen, das eine oder andere Wunschmail.
„Und nicht
zu vergessen“, fügte Gustav hinzu, „die Tagespresse hatte uns auch mit ihrem
Aufruf mächtig unterstützt. Sie druckten in fetter Überrschrift: „Weihnachtsmann
vor dem Aus? Wird der weltberühmte Mann arbeitslos?“ Viele Kinder schickten daraufhin ihre
Wunschzettel ab. Wir hatten wirklich alle Hände voll zu tun und es hat
unheimlich viel Spaß gemacht.“
Um Mitternacht verabschiedete sich der Weihnachtsmann herzlich von seinen neuen Freunden und lud sie für das kommende Jahr zum Nordpol ein. Er nahm die Zügel der Rentiere fest in die Hand, schnalzte mit der Zunge und schon sauste der Schlitten von dannen.
(c) Marena Stumpf
Marena Stumpf 27.11.2008, 21.25 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL
Das Julfest
In Schweden waren die Wintertage immer sehr kurz. Bereits um drei Uhr wurde es draußen dunkel. Am liebsten verbrachte Oma Kristina die langen Nachmittage mit ihren beiden Enkeln vor dem prasselnden Kamin und wenn es nach frisch gebackenen Pfefferkuchen duftete. Meistens musste sie den Kindern eine spannende Geschichte erzählen von einer längst vergangenen Zeit, als sie selbst noch ein kleines Mädchen war.
Erwartungsvoll setzten sich Karlson und Birgit zu ihr auf die Couch. Gemeinsam tranken sie Kakao und aßen Plätzchen, schwatzten über alltägliche Dinge, bis auf einmal Birgit fragte:“Oma, erzählst du uns wieder eine schöne Geschichte?“
Die alte Dame lächelte zufrieden und legte ihre Arme um die Schultern ihrer Enkel. „Wie ihr wisst, ist in ein paar Tagen das Julfest. In Schweden gab es nicht immer einen Weihnachtsmann. Als ich noch klein war, brachten koboldartige Heinzelmännchen den braven Kindern die Geschenke ins Haus. Man hielt die kleinen Zwerge bei Laune, damit sie niemanden einen bösen Streich spielten und jeder stellte für sie, als kleines Dankeschön, ein Schüsselchen mit süßem Brei hin. Tomtebisse war der Älteste der Kobolde. Mit ihm war nicht zu spaßen. Er brachte es oftmals fertig, wenn er seinen Brei nicht vorfand, dass ein Mädchen ein Auto bekam und ein Junge folglich eine Puppe.
So begab es sich, dass Tomtebisse und Nisse das ganze Jahr über in Lappland das Spielzeug für die Kinder anfertigte. Natürlich halfen ihnen kleine Elfen dabei, sonst wären sie ja niemals fertig geworden. Nun ja, früher gab es nur ein Spielzeug pro Kind zum Julfest. Das ging ja noch, aber heute … Ihr habt ja immer so viele Wünsche, das hätten die Wichtel niemals im Leben alleine geschafft.“
Nachdenklich nippte Oma Kristina an ihrem Becher Kakao. Plötzlich wurde sie ganz ruhig. „Was ist denn los, Oma? Tut dir etwas weh?“, fragte Karlson besorgt. Die alte Dame schüttelte ihren Kopf. „Ach Junge, ich musste eben an etwas ganz Furchtbares denken.“
„Erzähl schon, warum bist du so traurig?“ Die beiden Kinder kuschelten sich noch enger an sie und lauschten ihren Worten.
„Es geschah an einem Heiligen Abend. Ich war gerade fünf Jahre alt und wartete den ganzen Nachmittag am Fenster auf die Heinzelmänner, die mir mein Geschenk bringen sollten. Endlich fuhr der Rentierschlitten vor unser Haus. Ich war total aufgeregt, denn sonst sah man die kleinen Kobolde niemals. Tomtebisse stieg aus und Nisse reichte ihm mein Weihnachtsgeschenk. Just in diesem Moment preschte ein Hirsch aus dem angrenzenden Wald und rannte Tomtebisse über den Haufen. Wie angewurzelt stand ich am Fenster und konnte mich vor Schrecken nicht rühren. Meine Eltern rannten hinaus um Tomtebisse zu helfen, doch er lag leblos auf dem Rücken und neben ihm meine zerbrochene Porzellanpuppe. Nisse meinte, dass meine Eltern den Verletzten in den Rentierschlitten heben sollten und dann fuhr er mit Tomtebisse fort. In diesem Jahr gab es für die meisten Kinder keine Weihnachtsgeschenke. Ich bekam einen Schal, Mütze und Handschuhe, die meine Mutter heimlich für mich gestrickt hatte. Meine Eltern tanzten an diesem Abend auch nicht mit mir um den Weihnachtsbaum. Alles war viel zu traurig. Natürlich machte ich mir große Sorgen um Tomtebisse, wie es ihm wohl ging und ob er mich zum nächsten Julfest besuchen würde, doch alles kam ganz anders.
Es verging ein Jahr und je näher das nächste Weihnachtsfest rückte, desto bedrückter wurde ich. Meine Oma war eine kluge Frau. Um mich etwas aufzuheitern, nähte sie aus einem weißen Laken ein Gewand für mich und ich durfte es am 13. Dezember zum Lucia-Tag anziehen. Sie schlang ein rotes Band um meine Taille. Für den Kopfschmuck hatte sie mir einen schönen Preiselbeerkranz gebunden und einige Kerzen darauf gesteckt. Wie sie zu mir sagte, sollte ich die dunkle Jahreszeit erhellen und wieder etwas Freude ins Leben der Dorfbewohner bringen. Abends zogen wir von Haus zu Haus, sangen Weihnachtslieder und verteilten selbstgebackene, safrangewürzte Lucia Brötchen. Das war damals ein ganz besonderes Erlebnis für mich.
Die Tage vergingen schnell und ehe ich mich versah, war der Heilige Abend da. Irgendwie hoffte ich trotz allem, dass Tomtebisse mich besuchen würde und mir meinen Wunsch erfüllte.
Am Nachmittag des vierundzwanzigsten Dezembers las mir meine Mutter gerade eine Weihnachtsgeschichte vor, als es heftig an unserer Haustür pochte. Ich sprang voller Freude auf und öffnete. Vor mir stand ein rotgekleideter Mann mit einem dicken weißen Wallebart. Ich erschreckte mich fast zu Tode und knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Laut schreiend rannte ich zu meinem Vater. Er konnte sich nicht erklären, wer das sein konnte und schaute selbst nach. Ich hörte, wie sich die beiden Männer leise unterhielten, und dann betrat der alte Mann unsere Stube. `Hey Kristina, fürchte dich nicht´, sagte er zu mir, `ich bin der neue Weihnachtsmann. Man nennt mich Jultomte. Ich komme an Stelle von Tomtebisse und bringe dir dein Julgeschenk´. Er öffnete seinen großen Jutesack und zog eine Puppenwiege heraus, die ich mir so sehr gewünscht hatte. Für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte und meine Mutter brach dann endlich das Schweigen. Sie erkundigte sich nach dem Befinden von Tomtebisse und wie es ihm ergangen war.
Der Weihnachtsmann nickte und antwortete mit gütiger Stimme: `Vielen Dank für Ihre Nachfrage. Sie wissen ja selbst, die Heinzelmänner waren sehr betagt. Sie hatten ihre liebe Mühe und Not immer alles rechtzeitig zum Fest fertig zu stellen. Der alte Kobold hatte sich bei diesem Unfall mit dem Hirsch einige Knochenbrüche zugezogen. Er konnte lange nicht mitarbeiten und musste das Bett hüten. Die Elfen und Kobolde schrieben mir einen langen Brief und baten mich um Hilfe. Da ich nicht überall zur gleichen Zeit sein konnte, boten sie mir ihren Rentierschlitten zur Unterstützung an, der mich in Lichtgeschwindigkeit zu den braven Kindern bringt. Die Kobolde müssen nun nicht mehr auf Reisen gehen. Sie zählen jetzt zu meinen engsten Vertrauten und stehen mir mit Rat und Tat zur Seite.´
Jultomte aß einige von Mutters leckeren Plätzchen, trank ein Schlückchen von Vaters wärmenden Glögg-Punsch und danach verabschiedete er sich mit einem fröhlichen `Hey do´ von uns.“
Die Kinder rekelten sich auf der Couch und Karlson meinte zu seiner Schwester: „Puh, da hatten wir richtig Glück, dass Jultomte für die Heinzelmänner eingesprungen ist. Stelle dir nur einmal vor, es gäbe überhaupt keine Geschenke mehr zum Weihnachtsfest. Das wäre doch einfach furchtbar, nicht wahr?“
Eifrig stimmte Birgit ihm zu.
(C) Marena Stumpf
Marena Stumpf 27.11.2008, 21.03 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL
Der Weihnachtsmannlehrling
„Ach,
da mache dir mal keine Sorgen, lieber Weihnachtsmann“, antwortete Timmy mit
roten Wangen und hinkte sorglos ab. „Du hast mir ja alles beigebracht, was soll
da schief gehen?“
In
der Zwischenzeit hatten alle Elfen emsig den Weihnachtsschlitten beladen und
versorgten die Rentiere mit frischem Futter und Wasser.
Timmy
verabschiedete sich vom Weihnachtsmann und wünschte ihm gute Besserung. Er
versprach, gleich nach seinem letzten Einsatz zum Nordpol zurückzukehren. Der
Weihnachtsmann überreichte Timmy feierlich ein rotes Samtsäckchen mit
Zauberstaub und ermahnte ihn noch einmal, es nur im Notfall zu benutzen.
Etwas
Herzklopfen hatte Timmy schon; eigentlich hätte er dieses Jahr den
Weihnachtsmann begleiten sollen, doch nun kam dieser lästige Hexenschuss
dazwischen. „Irgendwie werde ich es packen“, tröstete sich Timmy, schließlich
lagen im Handschuhfach des Rentierschlittens ein Erste-Hilfe-Buch für Pannen,
Probleme und nicht zu vergessen, das himmlische Handy. Je näher die Zeit des
Abschieds nahte, desto aufgeregter wurde der Nikolauslehrling. War er wirklich
alt genug, dieses ehrenvolle Amt ganz allein zu übernehmen?
Am
Rentierschlitten warteten seine Elfeneltern auf ihn. Mutter Joy zog ein Spitzentaschentuch aus der Schürzentasche und
wischte sich die Tränen fort. Sie machte sich große Sorgen um ihren Sohn und
sagte noch einmal eindringlich: „Timmy, du darfst bei der Kälte nie den roten
Mantel ausziehen und achte darauf, dass du die Mütze immer aufhast. Bitte melde
dich zwischendurch, damit ich weiß, dass alles bei dir in Ordnung ist.“
Auch
Vater Tobias nahm seinen Sohn noch einmal zum Abschied in den Arm und sagte:
„Mache deine Sache gut, Timmy. Wir sind alle mächtig stolz auf dich.“ Liebend
gerne hätte er seinen Sohn begleitet, doch in dem vollgeladenen Schlitten hätte
nicht einmal mehr eine Maus ein Plätzchen gefunden.
Timmy
nahm die Zügel der Rentiere fest in die Hand und rief laut: „Ho, ho, ho! Unsere
Reise kann beginnen. Auf geht´s, meine Freunde.“
Lautlos
hob der Schlitten ab, nur der helle, melodische Klang der Glöckchen war zu
hören. Während des Fluges nahm Timmy den langen Zettel vom Weihnachtsmann zur
Hand und kontrollierte nochmals, wo er seine Geschenke zuerst verteilen sollte.
Ganz deutlich stand dort geschrieben: „Fliege zuerst nach Rembrücken. Suche das
Haus der Familie Keller und liefere dort deine Päckchen ab.“
„Nichts
einfacher als das“, dachte Timmy und landete vorsichtig mit dem
Rentierschlitten auf dem Dach. Zum Glück war das Feuer im Kamin erloschen und
er zwängte sich mit den Geschenken für Marc und Amanda durch den Schornstein.
Die Mutter hatte vor dem Zubettgehen für ihn ein Glas Milch und ein paar
Vanillekipferl hingestellt. Flink legte Timmy die Geschenke unter den
Weihnachtsbaum und steckte die Kekse für später ein. Immerhin hatte er ja noch
eine lange Fahrt vor sich. Als nächstes Ziel stand Görne auf seinem Zettel.
Hier
kam Timmy ordentlich ins Schwitzen, denn Dennis hatte eine sehr lange
Wunschliste an den Weihnachtsmann geschrieben. Da nicht alles in den großen
Sack passte, musste Timmy sich mehrmals durch den engen Schlot zwängen. „Ach,
wenn doch jedes Kind nur einen Wunsch frei hätte“, dachte er, „dann wäre alles
viel einfacher. Früher war das noch so, aber in der heutigen Zeit wurden die
Wünsche immer größer.“
Als
der Nikolauslehrling mit dem letzten Päckchen im Wohnzimmer landete, wunderte
er sich über ein komisches Geräusch. Hatte er etwa den kleinen Jungen geweckt?
Für einen Moment hielt er den Atem an. Alles blieb ruhig und nun wollte Timmy
schnell alles unter den Baum legen und wieder verschwinden, doch was war das?
Der Christbaum lag umgestürzt auf dem Fußboden und der große Jutesack war auch
nicht mehr da. Wollte ihm jemand einen Streich spielen? Suchend riss er alle
Schranktüren auf, warf einen Blick hinter die Couch und verschob die Sessel.
Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Plötzlich hörte Timmy Schritte und
versteckte sich in dem bemalten Bauernschrank.
Vom
Poltern wurde auch Dennis geweckt und er stand verschlafen in der
Wohnzimmertür. Er hoffte, dem Weihnachtsmann mit seinen Geschenken zu begegnen,
doch im Schein der Straßenlaterne bemerkte Dennis den umgekippten Baum. Mutig
tastete er sich zum Lichtschalter vor und entdeckte das Chaos. Sofort dachte er
an Einbrecher, die vielleicht seine Geschenke stehlen wollten und rief laut:
„Ist da jemand?“, doch nichts rührte sich. Auch er warf einen Blick unter die
Couch und öffnete alle Schranktüren. Plötzlich starrten ihn zwei weit
aufgerissene, blaue Augen an.
„Psssst,
bitte nicht schreien! Ich bin der Nikolauslehrling, Timmy. Der Weihnachtsmann
ist krank geworden und er hat mich gebeten, den braven Kindern die Geschenke zu
bringen, doch irgendwie hat dein Geschenksack Beine bekommen und ist
davongelaufen. Ich habe schon alles abgesucht, doch ich konnte ihn nicht
finden.“
Dennis
stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden. „So ein Mist!“, schimpfte er.
„Überlege doch einmal, wo du den Sack abgestellt hast.“
„Genau
hier vor dem Tannenbaum und als ich nur ganz kurz deine anderen Pakete holen
wollte, war er wie vom Erdboden verschluckt.“
Timmy
stellte den Weihnachtsbaum wieder auf, als plötzlich ein frischer Wind die
Terrassentür aufdrückte. „Sage mal Dennis, lasst ihr immer die Tür zum Garten
offen?“, fragte er den blonden Jungen.
„Nein!
Nie! Wieso? Du hast sicherlich selbst vergessen sie zu schließen?“
Timmy
schüttelte seinen Kopf und antwortete. „Natürlich nicht! Ich bin ein guter
Nikolauslehrling und weiß genau, wie man in die Häuser der Kinder kommt. Wir
fragen mal die Rentiere, ob sie etwas gesehen haben.“
Dennis
zog sich schnell seinen Schneeanzug über den Pyjama und folgte Timmy nach
draußen.
„Blixen,
habt ihr jemanden beobachtet, der aus dem Haus mit einem dicken, schweren
Geschenksack kam?“, fragte Timmy aufgeregt. Die Rentiere nickten und erzählten
ihm, dass ein graugekleidetes Männchen schwer beladen aus dem Gartentor in die
Dunkelheit huschte. Er hatte es sehr eilig und schnaufte vor sich her.
„Und
was machen wir nun?“, fragte Dennis gespannt. „Ich möchte doch gerne meine
Geschenke haben.“
Timmy
griff zum Handy und rief den Weihnachtsmann an. Er erzählte alles genau und
brauchte nun den Rat des weisen Mannes. Dieser erkundigte sich sofort, ob die
Rentiere jemanden gesehen hatten. „Ja“, berichtete Timmy weiter. „Grau
gekleidet war er und schleppte einen schweren Sack auf dem Buckel.“
Der
Weihnachtsmann brummte nachdenklich am anderen Ende. „Das hört sich ganz nach
dem Werk vom Räuber Grabsch an. Man weiß nie so genau, wo dieser Halunke sich
herumtreibt. Hast du genug Platz in deinem Schlitten, damit du Dennis als
Verstärkung mitnehmen kannst? Zuerst suchst du alle alleinstehenden Häuser in
der Umgebung ab und wenn du ihn dort nicht finden kannst, dann suche weiter im
Wald. Meistens kommt er nicht weit mit seiner schweren Beute. Viel Glück!“ Dann
rauschte es und die Verbindung wurde unterbrochen.
Die
beiden Jungen saßen auf dem Rentierschlitten und lauschten in die dunkle Nacht
hinein. „Dort! Siehst du den langen Schatten am Ende des Feldweges?“, flüsterte
Dennis aufgeregt. „Meinst du, das könnte der Weihnachtsdieb sein?“
Timmy
zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, denn ich habe ihn noch nie gesehen.
Los, wir schleichen uns beide von hinten an und beobachten, wohin er geht. Wenn
wir sicher sind, dann schlagen wir zu.“
Diese
dunkle Gestalt lief in den dunklen Wald hinein, bis er plötzlich vor einem
Strauch stehen blieb, ihn zur Seite schob und in einer Felsspalte verschwand.
Mit
genügend Abstand folgten die beiden der unheimlichen Gestalt. Sie
entdeckten in der Felsspalte einen
langen, schmalen Gang, der schnurstracks zu dem Raum führte, in dem die ganzen
Weihnachtspäckchen lagerten. Der Alte war gerade dabei eines der Geschenke zu
öffnen. Dennis zitterte vor Wut am ganzen Körper. Er konnte nicht länger an
sich halten und schrie empört: „Das gehört mir! Gib es mir sofort zurück. Das habe ich mir vom Weihnachtsmann
gewünscht!“
Die
schwarzen Augen des Mannes rollten grimmig hin und her. „Was sprichst du da, du
kleiner Wicht? Ich helfe nur dem Weihnachtsmann, damit er nicht so viele
Geschenke austragen muss. Du bist doch auch nur so ein wunschfreudiges Kind,
das nie zufrieden ist und immer noch mehr besitzen will. Es dauert nicht lange
und dann landet es in der Ecke, wie deine restlichen Sachen.“
Der
Nikolauslehrling fasste sich ein Herz. „Mag sein, dass du Recht hast, Grabsch.
Die Wünsche der Kinder werden von Jahr zu Jahr mehr, aber auf alle Fälle bist
du kein Weihnachtsmanngehilfe und nun rücke alle Geschenke sofort heraus.“
Grabsch
griff nach der eisernen Kette, die neben ihm auf dem feuchten Boden lag und
wollte die beiden Jungen damit fesseln, doch Timmy erinnerte sich noch
rechtzeitig an das Zauberpulver und blies es dem Räuber ins Gesicht. Langsam
wurde das Männlein immer kleiner, bis nur noch ein winziges Häufchen Asche von
ihm übrig blieb.
Dennis
sah Timmy erstaunt an. „Wow, das hast du echt cool gemacht“, lobte er ihn
bewundernd. „Dann können wir jetzt meine Geschenke nehmen und zu meinem Haus
zurückkehren“, meinte er erleichtert und schnappte sich zwei Päckchen.
„Und
was wird aus den restlichen Sachen?“, erkundigte sich Timmy bei seinem
Begleiter.
„Ach,
das sind doch nur Geschenke, die Grabsch dem Weihnachtsmann letztes Jahr
gestohlen hatte.“
„Weißt
du eigentlich, wie viele Kinder furchtbar traurig waren, weil die Bescherung
ausfiel? Das hätte dir jetzt auch blühen können“, gab Timmy zu bedenken.
Dennis
überlegte einen Moment und fuhr fort: „Meinst du nicht, dass einige Kinder in
der Zwischenzeit viel zu groß für das Spielzeug geworden sind und außerdem
wissen wir überhaupt nicht, ob die Geschenke für Jungen oder Mädchen bestimmt
waren.“
Timmy
lief Dennis schweigend hinterher und dachte nach. Da war schon etwas dran, was
Dennis sagte und er hatte auch nicht die Wunschzettel der Kinder vom letzten
Jahr dabei. Nun bekam Timmy ein ganz schlechtes Gewissen, denn er hatte sich
viel zu lange in Görne aufgehalten. Die Zeit rannte davon, um noch pünktlich
alle Geschenke zum Fest auszuliefern. Alleine war das fast unmöglich. Sollte er
noch einmal beim Weihnachtsmann anrufen und um Hilfe bitten? Nein, diese Blöße
wollte er sich nicht geben.
Am
Haus angekommen, verabschiedete sich Dennis von seinem neuen Freund und
bedankte sich für die schönen Weihnachtsgeschenke. Langsam wurden die Rentiere
unruhig und mahnten zur Weiterfahrt.
„Weißt
du was, Timmy, du hast mir geholfen meine Spielsachen wiederzubekommen und nun
möchte ich dir behilflich sein, damit noch alle Geschenke rechtzeitig bei den
Kindern eintreffen. Zu zweit schaffen wir das leicht.“
Gerne
nahm Timmy das großzügige Angebot an und der Rentierschlitten erhob sich
geschwind in die Lüfte zum nächsten Ort.
Die
Jungen waren so fleißig, dass sie kurz vor Morgengrauen wieder vor der Höhle
vom Räuber Grabsch landeten. Jetzt wussten sie auch, was sie mit den
gestohlenen Geschenken machen sollten. Flink beluden sie den leeren Schlitten.
Sie flogen zu jedem Kinderheim und Waisenhaus und stellten einige Geschenksäcke
vor der Tür ab.
Am
Nordpol beobachtete der Weihnachtsmann in seiner Zauberglaskugel seine emsigen
Helfer und er freute sich mächtig über
die beiden gescheiten Jungen.
Auf
dem Rückweg setzte Timmy noch schnell seinen neuen Freund vor der Haustür ab und
verabschiedete sich von ihm.
„Ich
habe mir unterwegs etwas überlegt“, meinte Dennis, „so ein Weihnachtsmannjob
ist doch recht anstrengend. Darf ich dich nächstes Jahr wieder begleiten? Ich
werde mir bestimmt nicht so viel wünschen, damit wir mehr Zeit füreinander
haben.“
Timmy
lächelte zufrieden und antwortete: „Von mir aus gerne, aber ich muss erst
einmal den Weihnachtsmann fragen.“
Plötzlich dachte Timmy wieder an seine Eltern und er bekam Sehnsucht nach ihnen. Wie der Sausewind flog er mit dem Rentierschlitten zurück zum Nordpol. Dort wurde er wie ein Held gefeiert, denn alle waren glücklich, dass Grabsch nicht mehr sein Unwesen treiben konnte.
(c) Marena Stumpf
Marena Stumpf 27.11.2008, 20.40 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL
Geschenk von Brigitte

Liebe Brigitte, herzlichen Dank für dein schönes Geschenk. Das hast du ganz ausgezeichnet hinbekommen.
Marena Stumpf 26.11.2008, 21.39 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL
Ich wünsche allen Lesern eine besinnliche
Adventszeit

Marena Stumpf 20.11.2007, 23.09 | (0/0) Kommentare | PL
Der unzufriedene Schneemann
Der unzufriedene Schneemann
An der Himmelspforte traf körbeweise Post für Petrus ein. Viele Kinder hatten an ihn geschrieben, mit der Bitte, es in den Winterferien schneien zu lassen. Sie wollten endlich wieder Schlittschuhlaufen oder rodeln gehen.
Der Wettermacher war gerne bereit, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen. Am Abend programmierte er das Thermometer auf fünf Grad Minus und es schneite die ganze Nacht hindurch.
Am nächsten Morgen wurden die Menschen von einer herrlichen Winterlandschaft begrüßt. Die Kinder jubelten vor Begeisterung. Sie schlüpften in ihre dicken Jacken, setzten sich Pudelmützen auf und rannten nach draußen. Gegenseitig seiften sie sich ein oder lieferten sich wilde Schneeballschlachten. Andere holten ihre verstaubten Schlitten aus den Schuppen und sausten mit viel Gejohle die steilen Wiesenhänge hinab. Heißa, war das ein Spaß!
Natürlich gab es auch Kinder, die mochten es etwas ruhiger und diese bauten lieber Schneemänner.
Als Petrus das alles beobachtete, lachte er glücklich und war mit seinem Werk zufrieden. Allerdings war er auch nicht mehr der Jüngste und ihm wurde bewusst, dass er noch so eine mitternächtliche Schneeaktion nicht durchhalten würde. Er rief seinen Wetterengel, Michael, zu sich und beauftragte ihn, das Thermometer in der folgenden Nacht nicht aus den Augen zu lassen. Auf gar keinen Fall durften die Temperaturen über Null Grad klettern, sonst taute die ganze Schneepracht dahin.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit trat Michael seinen Dienst an. Um ehrlich zu sein, war das eher eine sehr langweilige Beschäftigung, da alles per Computer gesteuert wurde. Aber manchmal hatte auch die Technik ihre Tücken.
Es war ganz still im Raum. Michael dachte an dies und jenes und döste fast nach Mitternacht ein, als er plötzlich ein lautes Schluchzen hörte. Er schob die wärmende Wolkendecke zur Seite und schaute nach, woher das Geräusch kam.
Anfangs sah er nichts, doch dann wurde das Wehklagen immer heftiger und er entdeckte den kugelrunden Schneemann, der bei Familie Keller im Garten stand. Ohne weiter nachzudenken, schlüpfte er in den weißen Daunenmantel und flog zu ihm.
„Pssst! Was machst du für einen Krach? Du weckst mit deinem Gejammer die ganze Nachbarschaft auf!“, ermahnte er den Schneemann zur Ruhe.
Dieser zitterte am ganzen Körper und konnte keinen zusammenhängenden Satz herausbringen.
„So beruhige dich doch. Frierst du oder tut dir etwas weh?“, erkundigte sich Michael besorgt.
Doch der Schneemann wiegte seinen Körper verneinend hin und her. „Ich fühle mich so einsam. Als es vorhin dunkel wurde, verschwanden die Kinder im Haus. Hinter den erleuchteten Fenstern sah ich sie Geschenke für das Weihnachtsfest basteln. Und was wird aus mir? Ich stehe hier draußen und bibber mir einen ab. Keiner spricht mit mir und alles ist so furchtbar langweilig.“
„Ach, komm schon, sei nicht so traurig. Sieh mal, ich bin ja jetzt bei dir und wir können uns einen Moment unterhalten. Allerdings habe ich nicht viel Zeit mitgebracht, denn ich habe Nachtdienst in der Wetterstation. Schau, morgen spielen die Kinder wieder mit dir und dann hast du ganz schnell deinen Kummer vergessen“, sagte der Wetterengel aufmunternd und hoffte, die Gedanken des Schneemanns zu vertreiben.
„Wenn ich doch nur eine Schneefrau hätte, mit der ich mich unterhalten könnte. Dann wäre ich auch nicht mehr so einsam.“
Michael hatte Mitleid mit dem traurigen Schneemann. Ihm war klar, wenn er ihm nicht half, dann ging es die ganze Nacht so weiter. Kurz entschlossen zog er seinen Daunenmantel aus und begann drei verschiedengroße Schneekugeln zu formen. Anschließend setzte er die drei Gebilde übereinander. „So, mein Lieber, hier ist deine Schneefrau“, sagte er außer Atem und total verschwitzt. „Ich hoffe, ihr vertragt euch. Jetzt muss ich mich spurten, damit niemand meine Abwesenheit bemerkt, sonst bekomme ich Ärger mit Petrus.“
Als der Schneemann sich den Schneeberg ansah, fing er abermals laut zu zetern an: „Was in aller Welt soll das sein?"
„Na, deine Frau natürlich!“, antwortete Michael etwas gereizt, da ihm die Zeit davonlief.
„Das ich nicht lache, sie hat keine Augen, keine Nase und da sie keinen Mund besitzt, kann sie folglich auch nicht mit mir sprechen.“
In der Dunkelheit suchte Michael schnell eine Handvoll Kieselsteine und drückte sie als Augen und Mund in die obere Kugel. Etwas genervt fragte er den Schneemann: „Bist du nun zufrieden?“
„Aber ..., aber sie hat keine Nase, wie soll sie denn atmen?“
„Für heute muss es reichen, mein Lieber. Immerhin kann sie mit dir reden. Wenn ich morgen frei habe, komme ich zurück und bringe deiner Frau eine schöne, rote Möhre für die Nase mit.“
Dann flog er eiligst auf die Wetterstation zurück und überprüfte sofort das Thermometer, das zum Glück immer noch Minusgrade anzeigte. Ein bisschen ärgerte sich Michael über den nörgelnden Schneemann. Eigentlich wollte er ihm behilflich sein und dieser forderte immer mehr. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er selbst bis auf die Knochen durchgefroren war. Flink holte er sich ein Glas heiße Milch mit Honig, schlüpfte unter die wärmende Wolkendecke und beobachtete aus dem Fenster noch einen Moment das Schneepärchen, welches sich offensichtlich gut verstand. Wohlige Wärme breitete sich in Michaels Körper aus und es dauerte nicht lange, da schlief er tief und fest ein. Ja, er bemerkte nicht einmal das rotblinkende Warnlämpchen am Schaltpult. Über Nacht stiegen die Temperaturen kräftig an und der Schnee begann zu schmelzen.
Als Petrus am folgenden Morgen den schlafenden Wetterengel vorfand, polterte er wütend los. „Du Schlafmütze, was habe ich dir gestern gesagt? Du sollst das Thermometer nicht aus den Augen lassen. Und du ..., was hast du gemacht? Legst dich einfach auf deine faule Haut. Oh, mein Gott, was bist du nur für eine Spaßbremse für die armen Erdenkinder. Was sollen die von mir denken? Dass Petrus nicht hält, was er verspricht? Stehe endlich auf und überzeuge dich selbst, der ganze Schnee ist weg! Ich will, dass du sofort auf die Erde fliegst und alles wieder in Ordnung bringst.“
„Ja, äh ..., wie soll ich das anstellen?“, fragte Michael bange und sein Blick fiel auf das Thermometer, das in der Zwischenzeit auf zehn Grad Plus angestiegen war.
„Lasse dir etwas einfallen, du bist ja sonst auch nicht auf den Kopf gefallen!“
Michael versuchte sich zu rechtfertigen: „Daran ist doch nur dieser Schneemann Schuld. Er jammerte so laut und ich wollte ihn wirklich nur ganz kurz trösten, doch er hielt keine Ruhe und da habe ich ihm noch schnell eine Schneefrau gebaut. Danach war ich so durchgefroren, dass ich nach meiner Rückkehr ein bisschen eingedöst bin.“
„Eingedöst sagst du dazu?", blaffte Petrus weiter, „dass ich nicht lache, schaue auf die Uhr, es ist bereits zehn und helllichter Vormittag.“
Michaels Herz raste vor Aufregung. Mit gesenktem Kopf machte er sich auf den Weg zur Erde. Schon aus der Ferne sah er die Bescherung. Auf dem Rasen langen zwei weiße Schneehäufchen nebeneinander und wimmerten: „Uns ist so warm, wir schmelzen dahin. Warum hilft uns denn niemand?“
Er hob den Rest der Schneemänner hoch und sagte entschuldigend: „Bitte verzeiht mir, ich war gestern so müde vom Schneerollen, dass ich nach meiner Rückkehr ungewollt einschlief. Leider bemerkte ich nicht das Warnsignal und das Thermometer kletterte auf Plusgrade. Petrus ist gerade dabei den Fehler zu beheben. Diese Nacht soll es abermals bitterkalt werden und es wird wieder schneien. Natürlich dürft ihr als kleine Schneeflocken auf die Erde zurückkehren und die Kinder bauen euch noch viel schöner.“
„Nein!“, schrie der Rest vom Schneemann erbost. „Wir wollen nicht dahinschmelzen. Sieh nur, was du angerichtet hast!“
„Ich?“, rief Michael vorwurfsvoll. „Das ist doch alles deinetwegen passiert. Ich hätte überhaupt nicht meinen Platz verlassen dürfen, doch als du so herzerweichend geweint hattest, wollte ich dir helfen.“
„Na, ja“, schniefte der fast aufgetaute Schneeball. „Ausnahmsweise! Ich werde dir verzeihen, aber nur, wenn du für meine Frau eine schöne Nase mitbringst.“
Michael versprach es, denn ihm tat die ganze Sache unendlich leid.
Der Wetterengel wusste genau, wohin er als nächstes zu fliegen hatte. Er suchte seine Tante Holly auf und erzählte ihr alles, was in der letzten Nacht vorgefallen war. Sie mochte ihren Neffen sehr und ließ sich nicht lange bitten, ihre Betten kräftig über der Erde auszuschütteln. Herrlich wirbelten die Flocken durch die Luft und es dauerte nicht lange, bis eine neue weiße Decke über der Natur lag.
Erleichtert machte sich Michael auf den Weg zu Petrus und hoffte, dass dieser ihm verzeihen würde.
„Eines muss man dir lassen, Bürschchen, du hast tolle Einfälle!“, sagte der alte Mann anerkennend, „darauf wäre ich, trotz meiner langen Berufserfahrung, nicht gekommen. Siehst du, eines Tages wird doch noch ein brauchbarer Wetterengel aus dir. Sicherlich wäre ich nach der ganzen Hektik mit dem Schneemann auch eingeschlafen.“
Petrus trat ans Himmelfenster und guckte zufrieden hinunter. „Komm her, mein Junge – das musst du dir ansehen!“
Marc und Amanda waren schon wieder emsig dabei, neue Kugeln für ihre Schneemänner zu rollen. Zufrieden schaute die Mutter ihren lachenden Kindern zu und half ihnen, die schweren Schneebälle übereinander zu stellen. „Schaut, was ich noch gefunden habe“, sagte sie und holte aus dem Körbchen zwei Karotten, die sie den Schneemännern ins Gesicht steckte und drückte jeweils zwei Eierkohlen als Augen ein. „Irgendetwas fehlt noch“, murmelte sie und verschwand für einen Moment im Haus.
„Und was machen wir mit dem Mund?“, fragte Amanda ihren großen Bruder. Er zog eine Tüte Gummibärchen aus der Hosentasche. „Das wird bestimmt lustig aussehen. Meinst du nicht? Fast wie echte Zähne, eben nur ein bisschen bunter.“
Bald darauf erschien ihre Mutter und brachte einen Reisigbesen und ein Kopftuch für das Schneepärchen mit. Herrlich glitzerten ihre Bäuche in der untergehenden Wintersonne. „Wollen wir ihnen Namen geben?“, fragte Amanda kichernd.
„Au ja, wie wäre es mit Clara und Clarence?“, rief Marc begeistert und wischte sich mit dem Taschentuch die karottenrote, tropfende Nase ab.
Als der Tag sich dem Ende zuneigte, wurde es eisig, doch der Himmel blieb sternenklar. Michael und Petrus schauten noch einmal auf die Erde und wollten sehen, wie es den beiden Schneemännern ging. Zufällig sahen diese auch hoch und zwinkerten ihnen glücklich zu.
(c) Marena Stumpf

Marena Stumpf 20.11.2007, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL
Eine ungewöhnliche Nacht
Nach Feierabend wurde es im Kaufhaus mucksmäuschenstill. Nur die Notbeleuchtung brannte noch in der Spielwarenabteilung und warf einen schwachen Lichtstrahl auf den prachtvoll geschmückten Weihnachtsbaum. Plötzlich flüsterte eine tiefe Stimme: „Gabriel, was treibst du da? Der ganze Baum wackelt.“
„Nichts“, antwortete der Rauschgoldengel, der oben auf der Baumspitze thronte. Gabriel reckte und dehnte sich. Vorsichtig bewegte er seine zarten durchsichtigen Flügel und schwebte leicht wie eine Feder durch den Raum.
„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“, tadelte ihn der Weihnachtsmann, der zwei Zweige tiefer hing. „Willst du uns alle in Schwierigkeiten bringen?“
„Pst, pst, Santa Claus! Du weckst mit deinem Geschimpfe noch die anderen Figuren auf. Ich bin vom langen Stehen ganz steif geworden und muss mich ein bisschen bewegen“, versuchte Gabriel seinen kleinen Ausflug zu rechtfertigen.
„Ja, hier Steiff! Wer hat uns gerufen?“, brummten die weißen kuscheligen Eisbären mit dem Knopf im Ohr.
Der kleine Trommler, der noch etwas tiefer hing, öffnete nun auch seine Augen. Er hob seine Arme und begann mit voller Kraft zu trommeln.
Der Teddy fuhr vor lauter Schrecken zusammen. Er riss seine Trompete hoch und blies kräftig hinein.
Jetzt wurde Familie Lebkuchen auch putzmunter und sie erkundigten sich von der anderen Seite des Baumes, was geschehen war.
„Toll! Echt toll, jetzt habt ihr es endlich geschafft, alle Figuren sind aufgewacht!“, schimpfte Gabriel mit dem Teddy und dem Trommler.
Verärgert schüttelte der Weihnachtsmann seinen Kopf. „Na, na, ihr sollt euch vertragen. Es ist Weihnachten, das Fest der Liebe und Besinnlichkeit.“
Die grünen Nussknacker klapperten wortlos mit ihren Mündern im Takt, bis sie zu stottern anfingen: „E-e-es i-i-ist d-doch das Hei-hei-heilige Fest, wo, wo sich alle M-Men-schen ver-vertragen sol-len.“
Das Holzschaukelpferd fing an zu wippen und wieherte: „Vertragen, vertragen! In ein paar Wochen landen wir wieder bis zum nächsten Jahr in den dunklen Kisten. Habt ihr das schon vergessen?“
„Ach, wie furchtbar, daran möchte ich überhaupt nicht erinnert werden“, hauchte die kleine Elfe, in ihrem silbernen dünnen Kleidchen. Es ist so schön hier draußen. Am Tage können wir die Menschen beobachten, wie sie das ganze Spielzeug ausprobieren und es dann unentschlossen wieder ins Regal zurückstellen. Habt ihr mal in die strahlenden Kinderaugen geschaut? Insgeheim fragen sie sich, was ihnen der Weihnachtsmann bringen wird. Kommt ihr Lieben, lasst uns nicht streiten. Heute ist unsere magische Nacht, lasst uns etwas Schönes erleben.“
Mit einem Satz sprangen die Weihnachtsbaumfiguren vom Baum und redeten aufgeregt durcheinander.
„Ho, ho, ho“, rief ihnen der Weihnachtsmann warnend hinterher. Macht nicht solchen Lärm! Vergesst nicht, wenn ihr von einem Menschen entdeckt werdet, dann sind eure magischen Kräfte für immer verloren.“
Schnurstracks wackelte Familie Lebkuchen in die Puppenküche, die sie vom Baum aus gesehen hatten. „Oh, das ist eine schöne Spielküche, hier könnten wir noch ganz viele kleine Lebkuchenkinder backen“, schwärmte Frau Lebkuchen ihrem Mann vor. Doch er hatte nur Augen für die Werkbank, die gleich nebenan stand. Sofort begann er zu hämmern und zu sägen.
Der Trommler und der Teddy kletterten auf den Turm der schwarzen Burg. Von hier aus hatten sie eine gute Aussicht und sie fühlten sich mächtig stark. Teddy schmetterte eine Fanfare, dass die Wände wackelten. Die Ritter wachten auf und rannten aufgescheucht durcheinander. Sie glaubten an einen Überfall und versuchten mit aller Gewalt ihren Turm zurückzuerobern.
Die Eisbären tapsten ungeschickt durch die Gegend und rissen eine aufgestellte Feuerwehr um. Ta-tü-ta-ta heulte die Sirene los. Baby Annabell wurde aus dem Schlaf gerissen und fing fürchterlich zu schreien an.
Winni Pooh trieb lautstark die kleine grüne Schildkröte unter sich an und klatschte voller Freude in beide Pfoten.
Gelangweilt verließ das Zebra, der Löwe, die Giraffe, der Elefant, die Kuh, die Ziege und das Schaf die Arche Noah. Sie freuten sich in Freiheit zu sein. Noah rief ihnen hinterher: „Kommt schnell zurück, das geht nicht gut. Ihr gehört hierher auf das Schiff, ihr dürft nicht weglaufen. Doch die Tiere nahmen keine Notiz von ihm und trotteten in alle Richtungen. Der Löwe brüllte: „Hier lang, hier geht es zum Bauernhof. Hier ist bestimmt mehr los als bei uns auf der Arche.“
Gabriel empfand das alles als Kinderkram. Er setzte sich in Cinderellas Kutsche und lies sich von Brietta, dem fliegenden Pferd, durch die Abteilung ziehen. Erhaben winkte er allen Puppen zu und fühlte sich wie ein Prinz. Immer wilder spornte er Brietta an und schrie vor Begeisterung: „Hü-a, galoppiii, los, schneller!“ Das arme Pferd schnaufte und war schon ganz außer Puste, als es über den blank polierten Schuh des Wachmanns galoppierte. Die Kutsche raste auf zwei Rädern um die Ecke und kippte mit lautem Gepolter um.
Neugierig reckte der Weihnachtsmann seinen Kopf nach vorne und entdeckte an der Tür den Wachmann, der nachts nach dem Rechten sah. „Hoffentlich schaltet er nicht das große Licht an“, dachte er.
„Was ist denn hier los?“, brüllte Herr Kunze erschreckt und schaltete schnell die Deckenbeleuchtung ein. Verdattert fasste er sich an die Stirn. Er vermutete, dass sich heimlich Kinder eingeschlichen hatten. Aufmerksam suchte er jeden Winkel ab, doch er konnte nichts Außergewöhnliches feststellen. Herr Kunze hob das Spielzeug auf und stellte alles wieder ordentlich an seinen Platz zurück. Als er am Weihnachtsbaum vorbeiging, bemerkte er den fehlenden Engel, den er jeden Abend bei seinem Rundgang bewundert hatte. Verständnislos schüttelte er seinen Kopf. „Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wer zum Kuckuck hat den schönen Rauschgoldengel stibitzt?“, murmelte er ungehalten. Nachdenklich lief er weiter. Auf dem Rückweg entdeckte er unter dem Regal, das fliegende Pferd samt rosafarbener Kutsche. Zu seinem großen Erstaunen saß sein hübscher Engel darin und lächelte ihn glücklich an.
„Engelchen, wie bist du denn hierher gekommen?“, fragte der Wachmann überrascht und befreite Gabriel aus seiner misslichen Lage. Vorsichtig stellte er den etwas verbeulten Engel zurück auf die Weihnachtsbaumspitze. Zufrieden ging er zur Hintertreppe, schaltete die Deckenbeleuchtung wieder aus und verschwand.
„Wo steckt ihr alle?“, fragte der Weihnachtsmann in die Dunkelheit hinein.
Die kleine Elfe lugte ängstlich aus ihrem Versteck hervor und als sie niemanden sah, flog sie flink zum Baum hinüber. Eiligst verließen auch Teddy und der Trommler den Ritterturm. Vergnügt kletterten sie auf ihre Tannenzweige zurück.
„Puh, das war knapp“, sagte Herr Lebkuchen zu seiner Frau und half ihr geschwind auf den Baum.
Noch lange tuschelten und kicherten die Weihnachtsbaumfiguren über diese ungewöhnliche Nacht.
(c) Marena Stumpf
Marena Stumpf 20.11.2007, 22.51 | (0/0) Kommentare | PL



