Marenas Musenstübchen
 





Statistik
Einträge ges.: 53
ø pro Tag: 0
Kommentare: 102
ø pro Eintrag: 1,9
Online seit dem: 18.03.2007
in Tagen: 1802

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Gästezimmer

Dufte Äpfel

Dufte Äpfel

Eva Zimmermann

„Nun mach schon! Du bist nicht zum Rumstehen hier! Los, fass endlich mit an!“ Piet war sauer auf seinen Kumpel, der es nicht eilig zu haben schien. Er selbst hatte schon eine ganze Vitrine ausgeräumt. Jan dagegen stand apfelkauend da und rührte keinen Finger. Nun aber gab er sich einen Ruck, legte den angebissenen Apfel auf den Verkaufstisch und öffnete die Tür eines weiteren, etwas abseits stehenden gläsernen Schaukastens. Ein ohrenbetäubender Lärm brach los. „Mist, der Alarm!“, stieß Piet hervor. „Lass uns ‘ne Fliege machen, bevor die Bullen kommen!“ Er ließ noch ein paar goldene Schmuckstücke in die Tasche gleiten, bevor er zum Ausgang hastete. Auch Jan raffte drei oder vier Perlenketten aus der Vitrine, steckte den angebissenen Apfel in seine Jackentasche und schon verschwanden beide durch die Hintertür. Das Auto wartete bereits mit laufendem Motor. Die beiden Schmuckdiebe gingen betont ruhig und, wie sie hofften, ohne Aufsehen zu erregen, zu dem Wagen, in dem Ferdi auf sie wartete. „Los, drück auf die Tube“, kommandierte Piet, „aber bleib unauffällig!“

Kommissarin Jutta Menders sah sich am Tatort um. Ihr Assistent, Ben Freitag, knöpfte sich inzwischen die Nachbarschaft vor. Frau Menders konnte zwar nichts sehen, das auch nur den kleinsten Hinweis auf die Täter gab, doch irgendetwas war ungewöhnlich. Sie spürte es, konnte es jedoch nicht beim Namen nennen. Aber sie machte sich darüber vorerst keine Gedanken, denn sie wusste, dass es ihr früher oder später einfallen würde.

Ihr Handy klingelte. „Eine Nachbarin hat den Alarm gehört und aus dem Fenster gesehen“, verkündete Ben, „und sie hat sich sogar die Nummer des Fluchtwagens aufgeschrieben. Natürlich gestohlen!“ – „Gut! Wir müssen nach dem Auto fahnden!“ Die Kommissarin fühlte, dass ihr Assistent grinste. „Schon geschehen!“, war seine Antwort, „Und schon gefunden! Er steht nur ein paar Straßen von hier!“ 

Die drei Männer waren inzwischen in Ferdis Auto umgestiegen, das sie nicht weit vom Juweliergeschäft geparkt hatten. „Du machst alles wie besprochen“, sagte Piet, der sich gerne als der Boss aufspielte, zu Jan. Der nickte, während er den Schmuck in seinen Rucksack stopfte. Außer ein paar Äpfeln war nichts darin, daher war genug Platz für die Juwelen. Jan steckte eine der Früchte in die Jackentasche und bemerkte dabei, dass der angebissene Apfel fehlte. War er ihm hinausgerutscht? Er verschwendete jedoch keinen weiteren Gedanken daran. Dann sah er auf. „Da vorne, das weiße Haus, das ist es. Kannst mich hier schon rauslassen“, sagte er zu Ferdi. „Bist du sicher, dass alles klar geht? Merkt die Alte nichts? Ist sie schon zu senil?“, fragte Piet, obwohl sie alles vorher schon dreimal durchgekaut hatten. Jan verlor allmählich die Geduld. „Mensch, ich habe dir doch gesagt, dass sie um diese Zeit immer einkaufen geht! Mach dir jetzt nicht in die Hose! Es ist der sicherste Platz, solange die Ware heiß ist. Darauf kommt niemand!“ Damit stieg er aus und schlenderte auf das Haus seiner Großmutter zu. In der Hand hielt er schon wieder einen Apfel und biss kräftig hinein.

Jutta Menders und Ben Freitag stiegen aus ihrem Auto und begutachteten den grünen Mercedes, den die Diebe unverschlossen abgestellt hatten. Die Kommissarin öffnete die Tür und streckte den Kopf ins Wageninnere. Sie stutzte, schnupperte, und rief dann triumphieren: „Ich hab’s!“ Verständnislos sah Ben sie an, als er in der Hand seiner Vorgesetzten einen halb gegessenen Apfel entdeckte. „Ich wusste, dass am Tatort irgendetwas seltsam war. Jetzt ist alles klar: Es roch dort nach Äpfeln! Etwas ungewöhnlich für einen Juwelenladen, nicht?“ Dem jungen Mann war deutlich anzusehen, dass er keinen blassen Schimmer hatte, warum dieser Geruch so wichtig sein sollte. „Apfel-Jan!“, erklärte Frau Menders. „Sagt dir das was?“ Ben nickte. Dieser Spitzname war auch ihm ein Begriff, zumal Jan und er dieselbe Schule besucht hatten. Sein Mitschüler war im ganzen Ort dafür bekannt, dass er für alle kleineren und größeren Apfeldiebstähle der Umgebung verantwortlich war. „Obst ist ihm inzwischen wohl eine Nummer zu klein geworden“, meinte die Polizistin, „und nun verlegt er sich auf Gold. Wohnt er noch bei seiner Großmutter?“ Ben schüttelte den Kopf. „Er ist bei einem Kumpel untergekommen, soweit ich weiß, aber ich habe keine Ahnung, wo der wohnt.“ Jutta Menders seufzte. „Wäre ja auch zu einfach gewesen. Aber trotzdem, ich finde, wir statten ihr mal einen Besuch ab!“

Als Frau Sander die Polizistin sah, wurde sie blass. Zu oft schon hatte diese Frau vor ihrer Tür gestanden und nie hatte es etwas Gutes bedeutet. Da sie der Nachbarschaft aber keinen Gesprächsstoff liefern wollte, sagte sie: „Kommen Sie rein!“ und zog die Kommissarin hastig ins Haus. Freitag folge, bevor sich die Tür schloss. Ihm fiel auf, dass seine Vorgesetzte schnupperte, aber sie sagte nichts.

„Frau Sander“, begann Jutta Menders, „wann haben Sie Ihren Enkel Jan zuletzt gesehen?“ Die alte Frau hatte durch schmerzliche Erfahrung gelernt, dass Lügen nichts halfen. Daher sagte sie wahrheitsgemäß: „Der Junge kam heute, als ich gerade zum Einkaufen gehen wollte. Er meinte, ich solle mich nicht aufhalten lassen, er wolle sich nur eine Tasse Kaffee machen und dann wieder verschwinden.“ - „Hm, Kaffee klingt gut! Ich hätte gegen ein Tässchen auch nichts einzuwenden!“, unterbrach die Kommissarin sie. Frau Sander verstand sofort und verschwand Richtung Küche.

Kommissarin Menders gab ihrem Assistenten ein Zeichen und er folgte der alten Frau, um sie so lange wie möglich vom Korridor fernzuhalten.

Die Polizistin begann sofort, sich auf den Geruch im Flur zu konzentrieren, und schon bald war ihr klar, dass er vom Fußboden aufstieg. Und richtig – zwei der hölzernen Bodendielen unterschieden sich deutlich von den anderen, weil der Staub in den Ritzen fehlte. Nach kurzer Suche fand die Kommissarin in einer Ecke, halb von der Garderobe versteckt, eine Eisenstange, mit deren Hilfe sie die Dielen hochstemmte.

Bingo! In dem Hohlraum unter dem Boden lag ein prall gefüllter Rucksack, in dem die Frau nicht nur alle entwendeten Schmuckstücke fand, sondern auch drei unter der Last der Juwelen etwas zerquetschte Äpfel, von denen ein verlockender Duft aufstieg.

Der Rest war schnell erledigt. Frau Sander rückte zwar ungern, aber doch wahrheitsgemäß, mit Jans neuer Adresse heraus. Frau Menders und Ben spürten das verblüffte Trio dort auf, das keinerlei Widerstand bei der Verhaftung leistete.

Welch ein Glück für die Polizei, dass Jan diese stark duftende, wohlschmeckende Apfelsorte bevorzugte!

(c) Eva Zimmermann

Marena Stumpf 14.09.2009, 16.03 | (8/0) Kommentare (RSS) | PL

Mingh Li

von Ulla Mangonz

Auf seinem Heimweg, nach einem ganz normalen Bürotag, kam Adrian durch die schmucke Lerchengasse. Hier sah er die exotische Schönheit zum erstenmal. Augenblicklich verzauberten ihn die großen dunkelbraunen asiatischen Augen. Ihr tiefschwarzes Haar hing bis auf den kleinen runden knackigen Po. Die sinnlichen Lippen forderten geradezu zum Küssen heraus. Rettungslos verfiel er diesem Engel. Deshalb suchte er unverdrossen immer wieder ihre Begegnung. Es funkte alsbald zwischen ihnen und nun wohnte Mingh Li schon seit gut drei Monaten bei ihm.

Nach seinem längeren unfreiwilligen Singledasein war Adi so glücklich wie nie zuvor. Die schöne Asiatin, der Wunschtraum aller Männer, redete fast nie. Sie stellte niemals unangenehme Fragen, war stets für ihn da, wenn er heimkam. Dann lauschte sie hingebungsvoll, ohne murren, seinen stundenlangen Tagesberichten. In der Liebeskunst zeigte sich die Kleine recht willig. Wie es schien, hatte Adrian wohl nun, nach mehreren fiesen Reinfällen, das große Los gezogen. Nun ja, manchmal wünschte er sich schon sie wäre etwas gesprächiger. Aber die beiden Liebesleute verstanden einander bestens auch ohne viele Worte, und wenn es ihn nach anregender Unterhaltung gelüstete, dann traf er sich mit Freunden zum Wein. An einem solchen Abend passierte ihm jener fatale Fehltritt:
Nach überaus reichlichem Weingenuss fiel ihm am Nachbartisch eine üppig ausgestattete langmähnige Blondine auf. Sie registrierte begeistert seine lüsternden Blicke und sendete ihrerseits unmissverständliche Signale. Gemeinsam trank man weiter, legte es auf Körperkontakte an, tauschte heiße Küsse miteinander und sie verließen weinselig Arm in Arm die gastliche Lokalität.

Adrian erwachte mit höllischem Hirnsausen in einem fremden Bett. Neben ihm eine reichlich ergraute, heftig zerknitterte, unbekannte Frau.
Zum heiligen Bimbam war da etwas gelaufen? Musste wohl, denn er lag völlig entblößt bei der nackten überreifen Kirsche.
Hastig stieg er in seine Hosen, stürzte mit Hemd und Schuhen in der Hand aus dem Haus. An der frischen Luft bemühte er sich einen klaren Gedanken zu fassen. Sollte er Mingh Li den verfluchten Seitensprung gestehen oder besser nicht?

Zu Hause empfing Li ihn wie gewöhnlich mit ihrem zuckersüßen Lächeln. Sein schlechtes Gewissen wurde gleich noch eine Spur schlechter. Er entschuldigte sich linkisch für sein nächtliches Versacken und setzte rasch hinzu er habe einen Bärenhunger. Stumm lächelte sie ihn verständnisvoll an. Kein einziges böses Wort kam über ihre Lippen, kein Vorwurf, nichts.
Während er in der Küche hantierte, lehnte sie lässig am Kühlschrank, sah ihm zu und ... lächelte. Warum blieb sie so, so beherrscht? Die ganze Nacht war er weggeblieben, aber sie machte keine Szene.
Plötzlich spürte Adrian unbändige Wut in sich aufsteigen. Niemals verlor Mingh Li ihre Kontrolle, zeigte keinerlei erkennbare Regungen, sie lächelte nur. Mit dem großen Küchenmesser hackte er genervt auf der wehrlosen Petersilie herum und begann dabei unverfroren von seiner Untreue zu erzählen. Lauernden Blickes schielte er zu ihr hinüber. Sie aber verharrte weiterhin in der gleichen Position, schaute ihn groß an und ... lächelte. Immer wilder hackte er auf das Grünzeug ein, sein Blut kochte vor Zorn.
„Sag endlich was``, brüllte er sie fast schon bittend an, „macht es dir überhaupt nichts aus, dass ich dich betrogen habe? Bin ich dir so egal?"
Selbst jetzt blieb die zierliche Frau total gefasst und ... lächelte. Das war absolut zu viel für den sensiblen Adi. In blinder Raserei stach er mehrmals auf die Reglose ein.
Ihre braunen Mandelaugen starrten den Mann traurig an, dann rutschte sie kraftlos in sich zusammen und glitt auf die kalten Fliesen.
Geistesabwesend beugte er sich über sie, als im selben Moment die Wanduhr zur achtzehnten Stunde schlug.
Verdammt, gerade jetzt begann das entscheidende Fußballspiel Deutschland - Italien. Wie in Trance ließ Adrian das Messer fallen und eilte den Fernsehapparat einzuschalten. Um nichts in der Welt wollte er das Finalspiel versäumen.

Nach dem spannenden Ballduell meldete sich sein Hunger mit Nachdruck, so lenkte Adi seine Schritte erneut zur Küche und stolperte prompt über die am Boden liegende Asiatin.
Kruzi Türken, was hatte er getan? Wie konnte er bloß so durchdrehen?
Mingh Li musste aus der Wohnung verschwinden, aber wohin mit ihr. Sachte spähte er in den Hausflur. Die Luft schien rein, er packte Li bei den Füßen und schleifte sie hinunter in den Keller.

Adrian war heilfroh als er Montagmorgen endlich wieder ins Büro gehen konnte. Wie üblich gab es am Wochenanfang viel Stress und Hektik. So vergaß er bis zum Feierabend sein widerliches Verbrechen. Doch wehe, als er in die Lerchengasse einbog, holte es ihn wieder ein. Abrupt verhielt er seine Schritte. Hier fand er sein Glück. Wie konnte er nur und wie sollte er ohne sie auskommen?
Plötzlich aber wusste er genau, was zu tun war.
Festen Schrittes betrat Adrian den Erotikshop und kaufte eine neue Mingh Li.

Marena Stumpf 27.10.2007, 22.02 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Lena will es wissen

von Kathrin Dietze

Lena hat vom Weihnachtsmann ein Märchenbuch geschenkt bekommen.
Natürlich soll Oma gleich daraus vorlesen. Beide sitzen im Wohnzimmer und kuscheln sich aneinander.
Oma beginnt zu lesen: „Rotkäppchen und der Wolf: Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Rotkäppchen, weil …“
„Warum hat es so einen komischen Namen?“, unterbricht Lena, „Susi gefällt mir viel besser!“
„Das kommt doch jetzt - weil sie ein rotes Käppchen geschenkt bekommen hat und …“
„Es gab wohl kein blaues zu kaufen?“
„Wahrscheinlich nicht. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, hier - und eines Tages sagte die Mutter zu Rotkäppchen: Die Oma ist krank, bring ihr …“
„Was hat sie denn?“
„Vielleicht ist sie bloß erkältet und hat eine Grippe“, erklärt Oma und liest weiter: „Also, die Mutter sagt zu Rotkäppchen: Bring ihr bitte einen Korb mit Wein und Kuchen ... “
„Aber wenn sie erkältet ist, dann braucht sie doch Tee. Mama gibt mir immer Tee und Hustensaft. Hustensaft muss das Rotkäppchen auch mitnehmen!“
„Sicher hat die Mutter auch Tee und Hustensaft in den Korb gelegt. ...bring ihr bitte Kuchen, Tee und Hustensaft, aber pass auf, dass ...“
„Und Honig“, sagt Lena schnell.
„Wie bitte?“
„Honig - den darf es nicht vergessen. Der ist auch ganz gesund. Wenn ich krank bin, trinke ich immer Tee mit Honig.“
„Ja, ja – Honig ist auch dabei“, seufzt Oma und versucht weiter zu lesen. „Pass auf, dass …“
„Oder Milch mit Honig, das geht auch.“ Oma nickt nur und fährt fort: „... dass du nicht vom Weg abkommst und gib Acht vor dem bösen Wolf! Das Rotkäppchen machte sich auf den Weg.“
„Das hat wohl kein Auto?“
„Nein, Rotkäppchen ist doch ein kleines Mädchen wie du. Da kann es noch nicht Auto fahren.“
„Aber der Papa kann es doch zur Oma fahren. Oder haben die gar kein Auto?“
„Äh … das weiß ich auch nicht.“
„Wenn sie kein Auto haben, dann muss es mit dem Bus fahren!“
„Das geht nicht. Da passt es nicht in die Geschichte. Also, hör jetzt zu: Rotkäppchen machte sich auf den Weg zur Großmutter.“
„Ich denke zur Oma?“, fragt Lena.
„Oma und Großmutter ist doch dasselbe. Unterbrich mich nicht immer“, bittet nun Oma und atmet tief durch.
„Mach ich doch überhaupt nicht. Komm - lies weiter!“
„ … machte sich auf den Weg zur Oma. Als es durch den Wald ging, da begegnete es dem Wolf. Wo willst du denn hin?, fragte er das Rotkäppchen. Ich will …“
„Mama hat gesagt, man darf nicht mit jemandem reden, den man nicht kennt.“
„Das Rotkäppchen hat den Wolf bestimmt schon öfters gesehen, deshalb darf es auch mit ihm reden. Das Rotkäppchen sagt: Ich will zur Großmutter. Sie ist krank und ich bringe ihr Kuchen, Honig und Tee ...“
„Den Hustensaft hast du vergessen“, flüstert Lena.
„… und Hustensaft‘“, ergänzt Oma. „Der Wolf fragt das Rotkäppchen, ob es nicht ein paar Blumen für die Großmutter mitnehmen möchte.“
„Oma, warte - ich muss mal!“, sagt Lena und läuft ins Bad. Es dauert einige Minuten, bis sie wieder auf ihrem Platz sitzt.
„So, fertig? Wo war ich stehen geblieben?“, fragt Oma.
„Die Blumen - jetzt soll sie Blumen kaufen.“
„Rotkäppchen kauft keine Blumen. Die pflückt sie im Wald.“
„Aha, dann hat sie bestimmt kein Geld dabei!“
Oma gibt auf. Sie klappt das Buch zu und sagt zu Lena: „Deine Mama liest heute Abend das Märchen zu Ende. Wir spielen jetzt was Schönes miteinander. Einverstanden?“
„Na gut“, sagt Lena ein wenig traurig, „aber ich darf dafür aussuchen, was wir spielen!“
„Natürlich!“
„Au fein, dann spielen wir ‚Rotkäppchen und der Wolf’!“

Marena Stumpf 23.10.2007, 22.36 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Rache

von Eva Zimmermann

Meinen Mann mit einer anderen Frau teilen? Niemals! Mein Mann gehört mir, mir allein! Und mein Mann liebt mich, und zwar nur mich!

Der Mann meiner Freundin Katrin hatte eine Affäre mit seiner Sekretärin, und was tat sie, als sie er herausfand? Nichts. NICHTS! Sie verzieh ihrem Mann. Also, mit mir nicht! Das käme keinesfalls in Frage!

Als Katrin mir davon erzählte, saßen wir in meiner Küche bei einer Tasse Kaffee. „Wie bist du ihm auf die Spur gekommen?“, fragte ich. Katrin lachte. „Ganz einfach, er hat es mir von sich aus gebeichtet!“ Ich starrte sie fassungslos an. „Wie, ganz einfach so? Ohne dass du Verdacht geschöpft hattest?“ Katrin nickte. „Wir haben uns mal gegenseitige Ehrlichkeit versprochen. Das gehört dann dazu, findest du nicht? Begeistert war ich nicht, aber da er es mir von sich aus erzählt hat, wollte ich ihm auch nicht gleich meinen Rotwein ins Gesicht kippen. Wir haben lange darüber geredet. Ob du es glaubst oder nicht, wir sind uns nun näher als vorher!“ Ich konnte es nicht fassen. „Wenn Holger das mit mir machte ... ich glaube, ich brächte ihn um!“, sagte ich. Und als ich es aussprach wurde mir klar, dass ich das auch meinte. Genau so. Aber was sollte ich mich aufregen- mein Mann hatte keine andere Frau. Er liebte mich, nur mich, da war ich mir sicher. Er hat gar keine Sekretärin, er ist selbständig, arbeitet von zu Hause aus und erledigt allen Schreibkram allein. Ich wüsste es, wenn er eine Freundin hätte. Schließlich ist er den ganzen Tag zu Hause.

Katrin lächelte. „Es hat unserer Beziehung wieder ein neues Prickeln gegeben“, sagte sie, „vielleicht war sein Seitensprung gar nicht so schlecht! Ich will ja nicht sagen, dass es für jeder Ehe das richtige Heilmittel wäre, aber ...“ Ich unterbrach sie, indem ich scharf sagte: „Meine Ehe ist vollkommen in Ordnung, vielen Dank! Holger liebt mich und tut alles für mich!“ Ich machte eine kleine Pause und fügte dann hinzu: „Außer ...“ Katrin nickte. „Ich weiß, ich weiß, aber niemand ist perfekt!“ Katrin teilte meine Begeisterung fürs Tanzen. Wir hatten uns im Tanzclub kennen gelernt, hatten gemeinsam an Turnieren teilgenommen und unsere gesamte Freizeit unserem geliebten Hobby gewidmet. Als Holger aber auf der Bildfläche auftauchte, war dieser Teil meines Lebens jäh beendet, denn Holger war ein ausgesprochener Tanzmuffel. Der einzige Tanz, zu dem ich ihn jemals hatte bewegen können war ein (eineinziger!) Walzer auf unserer Hochzeitsfeier. Und da hatte er mir vorwiegend auf den Füßen gestanden ...

„Tja, das Tanzen gehört leider der Vergangenheit an! Allerdings würde ich eine Menge darum geben, wenn ich Holger zum Tanzen bringen könnte“, gab ich zu. Katrin grinste. „Warte nur ab, du hast ja bald Geburtstag“, sagte sie. Was sollte diese Bemerkung bedeuten? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Gestern, am Tag vor meinem Geburtstag, war ich einkaufen. Danach wollte ich noch in die Bücherei, zur Reinigung und zu meiner Mutter. Eine längere Abwesenheit also. Ohne Holger, natürlich, denn der saß ja in seinem Arbeitszimmer und hatte zu tun. Als ich im Supermarkt nach Oliven suchte (die ganz spezielle Sorte, die er so gerne mag), da fiel mir ein, dass ich diese besonderen Oliven kürzlich in einem kleinen Laden ein paar Straßen weiter gesehen hatte. Lose, nicht im Glas. Das wäre doch sicher etwas, was meinem Schatz noch besser schmecken würde als diese Fabrik-Oliven! Ich machte mich also auf den Weg. Kaum war ich zwei Straßen weiter, da sah ich ihn. Meinen Mann! Wieso war er nicht in seinem Arbeitszimmer? Gerade, als ich über die Straße zu ihm laufen wollte, kam Katrin, ging geradewegs auf ihn zu und - mir stockte der Atem- küsste ihn auf die Wange. Küsste ihn! Das war zu viel! Ich wollte mich zwischen die beiden werfen, schreien, zetern, spucken, ihnen meine Schuhabsätze in den Leib rammen, aber da verschwanden sie schon in einem Haus.

In mir loderte es. Mein scheinheiliger Mann! Schwört mir ewige Liebe, aber kaum bin ich aus dem Haus, da treibt er es mit einer anderen Frau! Noch dazu mit meiner besten Freundin Katrin!

Ich beschloss, mir das nicht bieten zu lassen. Ich sann auf Rache und schmiedete einen Plan. Ich musste nur noch eine kleine Besorgung machen.

Am Abend, als Holger vor dem Fernsehen saß, mixte ich ihm einen Drink. Whisky, Cola und ein bisschen Rattengift. Genug allerdings, um ihm den Rest zu geben. Er nahm das Glas mit einem Lächeln entgegen. „Danke, Schatz! Ich liebe dich!“, sagte er. Ja, ja, wer es glaubt ... Ich beobachtete, wie er trank, zu Boden ging, röchelte, zuckte und dann reglos da lag. Das ist deine gerechte Strafe, dachte ich, mich betrügt keiner!

Doch ich hatte auch mit Katrin noch ein Hühnchen zu rupfen. Am nächsten Tag, meinem Geburtstag, machte ich mich auf den Weg zu ihr. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte sie, als sie mich sah, und umarmte mich. Scheinheilige Gans!

Aber was sie dann sagte, ließ mir das Blut in den Adern erstarren.

„Na, was sagst du zu Holgers Geburtstagsüberraschung? Du bist sicher an die Decke gesprungen vor Freude! Und die ganze Zeit hast du nichts davon gemerkt, dass er heimlich mit meiner Hilfe tanzen gelernt hat."


Marena Stumpf 28.04.2007, 21.35 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Der Käfermann


Der 7-Punkt, ein hübscher, kleiner Käfermann
ging morgens um Acht am Blumenbeet entlang.

Er überlegte, was könnte er heute so tun
eines wollte er nicht: sich hinlegen und ruhn`

Bei den Margariten blieb er dann stehn
und beschloss, einmal um sie herum zu gehn.

Er sah nach oben und das war sehr weit
hoch droben, der Margarite Blütenkleid

Schon sah man die Ärmchen des Käfers sich recken
am Stängel der Blume nach oben strecken.

So kletterte der hübsche, kleine Käfermann
Stück für Stück immer näher zur Blüte ran.

Oh je - oh nein, was macht er nur?
Auf einmal geht alles - ruckzuck - retour.

Er schlidderte und rutschte, den Stängel hinunter
und dabei jauchzte er fröhlich und munter.

Juhuuu und juheiii - was für ein herrlicher Spaß
Juhuuu und juheiii - und landete - pardauz - im hohen Gras.

Von Beatrice Amberg

Marena Stumpf 22.04.2007, 12.55 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Frühlingsboten


Die Vögel zwitscherten, ein Eichhörnchen huschte über den Weg und kletterte am Stamm einer großen Buche hinauf. Die Sonne schickte ihre ersten wärmenden Strahlen zur Erde und die Knospen an den Sträuchern ließen erahnen, in welcher Farbenpracht sie in nicht allzu langer Zeit die Wege des Parks zieren würden.

Einsam saß der alte Mann auf der Bank und hing seinen Gedanken nach. Gedanken, die ihn immer wiederkehrend bewegten. Gedanken, die ihn quälten und die ihn die Schönheit seiner Umwelt und den kommenden Frühling nicht wahrnehmen ließen. Er hörte den Vögeln nicht zu, er beobachtete das geschäftige Treiben des Eichhörnchens nicht und er fühlte auch die wärmenden Strahlen der Sonne nicht.

Er dachte daran, was er wohl in seinem Leben falsch gemacht hatte. Er war allein und niemand sorgte sich um ihn. Er hatte auch niemanden mehr, um den er sich sorgen konnte. Er hatte keinen, mit dem er ein Gespräch führen oder seinen Lebensabend genießen konnte.

Seine Frau war schon lange verstorben und sein Sohn war ins Ausland gegangen, da er in seinem Beruf keinen Job gefunden und sich ihm dort viel bessere Möglichkeiten boten. Mittlerweile war sein Sohn verheiratet und seit ein paar Jahren hatte der alte Mann sogar ein Enkelkind. Aber er hatte es noch nie gesehen und auch seinen Sohn und seine Schwiegertochter hatte er seit Jahren nicht gesehen. Ja, ab und zu bekam er mal einen Brief, aus dem er entnehmen konnte, dass es ihnen gut ging. Er war auch froh darüber und wünschte seinem Sohn von Herzen ein glückliches und erfülltes Leben. Auch er hatte früher ein erfülltes Leben. Er ging seiner Arbeit nach, hatte viele Arbeitskollegen, seine Familie und Freunde. Er führte ein aktives Leben. Manches Mal hatte er sich gewünscht, mehr Zeit zu haben. Zeit für sich persönlich. Zeit für Dinge, die er gerne tun würde und die immer zum Wohle anderer zurückstehen mussten.

Jetzt hatte er die Zeit, aber er war zu alt, um all diese Dinge zu tun, die er früher als so wichtig empfunden hatte. Und er war allein. Allein und einsam. Die Freunde, die mit ihm alt geworden sind, hatten ihre eigene Familie. Er wollte nicht stören.

Traurig blickte der Alte auf und bemerkte erst jetzt einen jungen Mann, der mit einem kleinen Mädchen sprach und dabei auf ihn zeigte.
Das Mädchen lief auf ihn zu, umarmte ihn und sagte: „Hallo Opa, ich bin Lara!“
Der alte Mann konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Ungläubig schaute er in das lachende Gesicht seines Sohnes, der nun auf ihn zukam. Innig umarmten sie sich, bevor sie gemeinsam nach Hause gingen.

Der alte Mann hörte das Gezwitscher der Vögel in den Bäumen und erfreute sich an den zaghaft aufspringenden Knospen der Sträucher, die den Weg säumten. Er blickte auf die Vielfarbigkeit der Krokusse, die auf einer großen Wiese blühten. Lächelnd hob er sein Gesicht, schaute der Sonne entgegen und ließ sich von ihrer Wärme umarmen. Der Frühling schickte seine ersten Boten.

März 2006 © Copyright Marika Krücken

Marena Stumpf 05.04.2007, 19.46 | (0/0) Kommentare | PL

Der einsame Schwan


v. Brigitte Kemptner

Feuerrot ging die Sonne am Himmel unter. Stille breitete sich über dem Waldsee aus, und in der Abenddämmerung suchten viele Tiere ihre Schlafplätze auf, unter ihnen auch eine Entenfamilie. Ja selbst die immerfort quakenden Frösche verhielten sich außergewöhnlich schweigsam.
Einsam schwamm Gregor, der weiße Schwan, über das Wasser, und seine Augen blickten suchend umher. Er war allein und nicht einmal die anderen Tiere, die tagsüber in seiner Nähe weilten, konnten ihn trösten. Zwei Tränen kullerten den langen Hals hinunter, als er an seine schöne Schwanenfrau und die zwei Kinder dachte, die vor drei Tagen von einem entwurzelten Baum erschlagen wurden. Gregor erinnerte sich mit Entsetzen an das schreckliche Unwetter. Wie sollte sein Leben ohne Familie weitergehen? Während die anderen Tiere längst träumten, schwamm er weiterhin auf dem See seine Runden, und nur der Mond, der mittlerweile aufgegangen war, begleitete ihn. Irgendwann in der späten Nacht legte sich Gregor endlich am Ufer nieder und versuchte zu schlafen.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wurde es auch rund um den See lebendig. Die Enten tummelten sich im kühlen Nass und putzten ihre Federn. Die Frösche stimmten ein Morgenkonzert an, und die Vögel in den hohen Bäumen trällerten ebenfalls fröhlich ihre Weisen.
Etwas abseits am Ufer stand Gregor und betrachtete das bunte Treiben der Anderen. Früher war er mit seiner Familie stets unter ihnen gewesen und hatte sich gefreut, wenn die Spaziergänger, hauptsächlich Kinder, kamen und Brot mitbrachten. Das war immer wieder ein besonderer Leckerbissen für das flatternde Wasservolk.
„Sollten wir den armen Gregor nicht ein wenig aufmuntern?“, fragte der Entenvater seine Gefährtin, während er zu dem Schwan hinüber schaute.
„Wir könnten ihn doch fragen, ob er heute Mittag mit uns zum Schlossseefest kommen möchte. Dort trifft er ganz gewiss noch andere Schwäne, mit denen er sich unterhalten kann.“, erwiderte die Entenmutter, und freute sich, einen so guten Einfall zu haben.
Eines der Entenkinder wollte sofort zu Gregor schwimmen, um ihn zu fragen, doch der Vater hielt es mit strengem Ton zurück: „Du wirst jetzt erst frühstücken, mein Sohn. Außerdem habe ich dir schon oft gesagt, dass du nicht immer so vorlaut sein sollst.“
Gregor zog währenddessen erneut einsam seine Runden auf dem See und achtete nicht auf die anderen Tiere. Plötzlich hörte er neben sich eine bekannte Stimme:
„Guten Morgen, Gregor.“ Es war der Entenvater, „Hast du Lust, mit uns zum Fest auf dem Schlosssee zu kommen?“
Gregor dachte eine Weile nach, dann meinte er: „Für eine Feier bin ich nicht in Stimmung, trotzdem danke ich für die Einladung.“
„Überlege es dir, wir ziehen los, wenn die Sonne genau über unserem See steht. Es wäre schön, wenn du mit kommst und auf andere Gedanken kämst.“ Der Entenvater schwamm wieder zu seiner Familie zurück. Gregor überlegte und entschloss sich, mitzukommen.

Der Schlosssee strahlte in der Mittagssonne, als Gregor und die anderen Tiere ankamen. Ach, was war das ein Getümmel im und um das Wasser herum. Enten und Schwäne, Flamingos, Störche, Schildkröten und Igel, Gänse, Hasen, Vögel aller Art, ja sogar Frösche. Alle stimmten nun in ein Lied ein. Gregor aber suchte sich ein kleines ruhiges Fleckchen im Wasser, wo ihn niemand störte. Von hier aus schaute er den Anderen zu. Plötzlich stieß etwas in seine Seite und er drehte den Kopf. Ein kleines Schwanenkind hatte ihn geschupst. „Warum feierst du nicht mit uns?“, fragte es zaghaft.
„Ich möchte meine Ruhe haben. Wieso versteht das nur Keiner. Und jetzt geh zu deiner Familie zurück und lass mich bitte allein.“ Gregor merkte, dass seine Stimme nicht gerade freundlich geklungen hatte, als das Schwanenkind verängstigt zu seinen Eltern zurückschwamm. Er wollte gerade das Wasser verlassen, um am Ufer eine ruhige Stelle zu finden, da vernahm er eine Stimme:
„Halt! Warte doch bitte einmal!“ Gregor sah sich einem gleichgroßen Schwan gegenüber.
„Was fällt dir ein, zu meinem Jungen so unfreundlich zu sein? Er hat auf unsere Bitte hin höflich gefragt, ob du mit uns feiern möchtest.“
„Es tut mir leid, dass ich ein wenig unhöflich war, aber ich habe kein Interesse an Gesellschaft.“, gab Gregor zur Antwort und betrat das Ufer. Warum ließen ihn denn nicht alle in Frieden? Nach kurzer Zeit fand er endlich einen Platz, an dem er glaubte, Ruhe zu haben. Die Bäume standen zwar nicht sehr dicht beieinander, doch hohe Büsche versperrten die Sicht zum Schlosssee. Fröhliche Stimmen drangen gedämpft zu ihm herüber, als er es sich auf dem Boden bequem machte. Er verbarg den Kopf in seinem Federkleid und wollte nur noch träumen….
Ein lauter Knall ließ Gregor aus dem Schlaf aufschrecken. Schwarze Wolken hatten den Himmel bedeckt und grelle Blitze schossen aus ihnen hervor. Die ersten Regentropfen prasselten bereits auf die Erde nieder und Gregor, der rasch Schutz zwischen den Büschen fand, bekam es mit der Angst zu tun. Wo mochten wohl die anderen Tiere sein, fragte er sich. Er zitterte, weil er plötzlich an das Unwetter denken musste, an dem er seine Familie verloren hatte.
Zwischen zwei Donnerschlägen drang plötzlich ein Hilferuf an sein Ohr. Gregor lauschte
Ein zweites Mal hörte er ein Rufen, diesmal jedoch etwas näher, lauter. Er steckte seinen Kopf durch die Büsche und rief ganz laut: „Hallo!“
Da ein Blitz nach dem Anderen den Himmel erhellte, sah Gregor nicht weit von ihm entfernt die Gestalt eines Schwanenkindes.
Er überlegte nicht lange und wollte dem jungen Schwan zu Hilfe eilen. Gregor hatte ihn fast erreicht, als der Blitz in den Baum dicht neben dem Kleinen einschlug, und das Splittern von Holz zu hören war. Schnell lief Gregor die letzten Schritte, packte das verängstigte Schwanenkind mit seinem Schnabel und riss es fort. Rechtzeitig genug, denn schon im nächsten Augenblick fiel ein dicker Ast genau auf die Stelle, wo kurz zuvor noch das Schwanenjunge gestanden hatte.

Sie verbrachten den Rest des Gewitters im Schutze der Büsche, bis es allmählich ruhiger wurde. Es hörte auf zu regnen, und nachdem die Sonne wieder am Himmel stand, brachte Gregor den kleinen Schwan zum See zurück, wo seine besorgten Eltern schon auf ihn warteten. Gregor erzählte kurz, was geschehen war, und die Schwaneneltern bedankten sich bei ihm.
Bevor er sich auf die Suche nach der Entenfamilie machte, um mit ihnen gemeinsam den Heimweg anzutreten, sagte der Schwanenpapa zu ihm:
„Wir haben von deinem großen Kummer gehört, Gregor, und möchten dich bitten, bei uns auf dem Schlosssee zu bleiben. Hier bist du nicht allein, wirst schon sehen, wie schnell du wieder fröhlich sein kannst.“
Der einsame Schwan dachte nach. Sollte er wirklich bleiben? Wenigstens für eine Weile? Zum Waldsee konnte er immer noch zurück, wenn es ihm nicht gefiel. Sein Blick fiel auf den kleinen Schwan, den er gerettet hatte.
„Ich bleibe“, sagte er. „Vielleicht finde ich hier bei euch ein neues Zuhause. Einen kleinen Freund habe ich ja schon, oder?“, dabei ruhten seine Augen liebevoll auf dem Schwanenkind.

Und Gregor fand ein neues Zuhause und ein neues Glück.
Als die Entenfamilie im nächsten Sommer zum Schlosssee kam, um ihn zu besuchen, stellte er ihnen seine neue Schwanenfrau vor.

Marena Stumpf 05.04.2007, 16.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Ein Sommermorgen am Weiher


von Dagmar Buschhauer

An einem Weiher, außerhalb des Dorfes, von Wiesen und Wald umgeben, zwitscherten im Morgengrauen die ersten Singvögel. Frühnebel zog wabbernd über seine stille Oberfläche und verflüchtete sich allmählich. Die aufgehende Sonne tauchte den Horizont in ein mildes Licht. Es versprach wieder ein schöner Sommertag zu werden. Das Dorf schlief noch, und außer dem Bellen eines Hofhundes, war kein Laut zu hören.

Am Ufer des Weihers standen mehrere Reiher, die ihre Morgenmahlzeit fischten. Rasant landete ein Storch auf der Wiese. Mit langen Schritten gesellte er sich zu ihnen. „Flott, flott“, riefen ihm die Reiher zu, „du scheinst ja schon voller Tatendrang zu stecken so früh am Tag.“ Der Storch begrüßte sie mit fröhlichem Geklapper und meinte: „Tja Leute, was will man machen? Die Nacht war lang, und unser Nachwuchs hat einen gewaltigen Appetit. Während meine Frau das Nest in Ordnung bringt, will ich eben das Frühstück für alle besorgen.“ Sagte es, und schwupp, hatte er schon den ersten Frosch gefangen.

„Ja, ja“, seufzten die Reiher, „uns geht es genauso. Unsere Frauen haben uns auch auf Futtersuche geschickt. Bis die Jungen groß sind, ist es ein gutes Stück Arbeit ihre hungrigen Mäuler zu stopfen. Manchmal muss man weite Wege zurücklegen, um genügend Essbares für alle zu finden.“
„Da habt ihr recht“, klapperte der Storch und fing den nächsten Frosch, „die Mäuse sind in diesem Jahr auch nicht so fett wie sonst. Außerdem fangen die Greifvögel sie uns oft genug vor dem Schnabel weg, sodass wir viel länger mit der Suche beschäftigt sind.“

Diesen letzten Satz bekam eine kleine Feldmaus mit, die sich ganz in der Nähe unter einem Haselnussstrauch aufhielt. Verflixt, ein Storch! Vor Schreck wäre sie fast gestorben. Nix wie weg und die anderen warnen, dachte sie nur noch. Sie nahm ihr Mauseherz in beide Pfötchen, und lief, so schnell sie konnte, davon.

Durch das Rascheln im Strauch aufmerksam geworden, bemerkten die Reiher die kleine Maus. „Schau mal, Storch, dort rennt deine Mahlzeit“, lachten sie.
„Oh“, antwortete er bedauernd, „das wäre wahrlich ein feines Häppchen gewesen. Es ist doch zu schade, dass Mäuse so schnell flitzen können.“

„Einmal haben wir sogar, als es wenig zu Essen gab, Goldfische aus einem Zierteich der Menschen stibitzt“, führten die Reiher die unterbrochene Unterhaltung fort, „hat uns richtig Spaß gemacht sie zu fangen. Es war zwar etwas schwierig, weil sie immer wieder unter die Teichrosen entwischten, doch es hat ihnen nichts genutzt.“
„Einen Goldfisch hatte ich noch nie“, staunte der Storch.
„Och, ist nichts besonderes“, sagte einer der Reiher heiter, „Fisch ist Fisch.“
„Du bist ja auch kein Feinschmecker“, neckten ihn die anderen, „irgendwie sind sie doch oberflutschig.“
„Schaut mal, da kommt jemand, der es ganz schön eilig haben muss“, sagte der Storch plötzlich.

Von weitem sahen sie eine Staubwolke, die sich rasch dem Weiher näherte. Vorsichtig geworden und zum schnellen Abflug bereit, sahen ihr alle gespannt entgegen. Dann erblickten sie ein regelrechtes Drama. Ein gut genährtes Kaninchen raste Haken schlagend auf sie zu, verfolgt von einem anscheinend sehr hungrigen Fuchs.
„Aus dem Weg!“, schrie es sich fast überschlagend. „Dieser Bursche hat die Absicht, mich zu verspeisen!“
„Wollen wir das nicht am liebsten alle?“, klapperte der Storch aufgeregt und mit glänzenden Augen. „Schade, dass du zu groß bist, dich hätte ich auch gerne als Imbiss.“

Die ganze Gesellschaft flog hoch, um den beiden aus dem Weg zu sein, und kreiste eine Runde über dem Weiher. Sie sahen zu, wie Jäger und Gejagter am Horizont immer kleiner wurden, bis sie schließlich aus ihrem Blickfeld verschwanden. Dann landeten sie wieder.
„Und das am frühen Morgen“, schnatterten ein paar Enten aufgeregt, die nahe am Ufer vorbeischwammen und das Schauspiel mit ansahen.
„Jetzt nur nicht blicken lassen“, flüsterte ein Fisch unter ihnen im Wasser seiner Familie zu, „und keine Albernheiten von den Kleinen, wie an die Oberfläche hochspringen und so. Als wenn es mit den großen Vögeln da oben nicht schon gefährlich genug wäre, nun kommt auch noch das gefräßige Federvieh daher!“

Mittlerweile stieg die Sonne höher. Es summte und brummte ringsumher. Die Lerchen sangen mit Inbrunst hoch am Himmel ihr Lied. Bunte Schmetterlinge flogen über blühende Wiesen, und Rehkinder spielten vergnügt am Waldrand. Übermütig versuchten sie sich gegenseitig mit den tollsten Bocksprüngen zu übertreffen. Auf den Weiden grasten Kühe, die sich zärtlich um ihre Kälbchen kümmerten. Ein Maulwurf steckte seine Nase aus einem frisch geschaufelten Haufen und verschwand sofort wieder unter Tage, als die Morgensonne ihn kitzelte.

Nun hörte man auch aus dem Dorf die ersten Geräusche, bald würde es heller Tag sein. Über dem Weiher flogen die munteren Schwalben, die dicht über dem Wasser nach Insekten jagten. Ihr fröhliches Gezwitscher erfüllte die Luft.
Storch und Reiher verabschiedeten sich.
„Macht` s gut, Jungs, die Familie schreit nach Frühstück, ich muss weiter“, sagte der Storch und flog auch schon los.
„Ja, man sieht sich“, riefen die Reiher ihm nach, „vielleicht treffen wir uns schon morgen in aller Frühe wieder hier.“ Dann begaben sie sich wieder auf Nahrungssuche.

Marena Stumpf 05.04.2007, 15.44 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Danke für deinen Besuch

Vielen Dank für deinen Besuch. Ich würde mich freuen, wenn du eine hübsche Geschichte für  den nächsten Gast hinterlässt.

Marena Stumpf 24.03.2007, 16.01 | (0/0) Kommentare | PL

RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
Marenas Musenstübchen

Suche
Es wird in allen
Einträgen gesucht.