Marenas Musenstübchen
 





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Ausgewählter Beitrag

Rache

von Eva Zimmermann

Meinen Mann mit einer anderen Frau teilen? Niemals! Mein Mann gehört mir, mir allein! Und mein Mann liebt mich, und zwar nur mich!

Der Mann meiner Freundin Katrin hatte eine Affäre mit seiner Sekretärin, und was tat sie, als sie er herausfand? Nichts. NICHTS! Sie verzieh ihrem Mann. Also, mit mir nicht! Das käme keinesfalls in Frage!

Als Katrin mir davon erzählte, saßen wir in meiner Küche bei einer Tasse Kaffee. „Wie bist du ihm auf die Spur gekommen?“, fragte ich. Katrin lachte. „Ganz einfach, er hat es mir von sich aus gebeichtet!“ Ich starrte sie fassungslos an. „Wie, ganz einfach so? Ohne dass du Verdacht geschöpft hattest?“ Katrin nickte. „Wir haben uns mal gegenseitige Ehrlichkeit versprochen. Das gehört dann dazu, findest du nicht? Begeistert war ich nicht, aber da er es mir von sich aus erzählt hat, wollte ich ihm auch nicht gleich meinen Rotwein ins Gesicht kippen. Wir haben lange darüber geredet. Ob du es glaubst oder nicht, wir sind uns nun näher als vorher!“ Ich konnte es nicht fassen. „Wenn Holger das mit mir machte ... ich glaube, ich brächte ihn um!“, sagte ich. Und als ich es aussprach wurde mir klar, dass ich das auch meinte. Genau so. Aber was sollte ich mich aufregen- mein Mann hatte keine andere Frau. Er liebte mich, nur mich, da war ich mir sicher. Er hat gar keine Sekretärin, er ist selbständig, arbeitet von zu Hause aus und erledigt allen Schreibkram allein. Ich wüsste es, wenn er eine Freundin hätte. Schließlich ist er den ganzen Tag zu Hause.

Katrin lächelte. „Es hat unserer Beziehung wieder ein neues Prickeln gegeben“, sagte sie, „vielleicht war sein Seitensprung gar nicht so schlecht! Ich will ja nicht sagen, dass es für jeder Ehe das richtige Heilmittel wäre, aber ...“ Ich unterbrach sie, indem ich scharf sagte: „Meine Ehe ist vollkommen in Ordnung, vielen Dank! Holger liebt mich und tut alles für mich!“ Ich machte eine kleine Pause und fügte dann hinzu: „Außer ...“ Katrin nickte. „Ich weiß, ich weiß, aber niemand ist perfekt!“ Katrin teilte meine Begeisterung fürs Tanzen. Wir hatten uns im Tanzclub kennen gelernt, hatten gemeinsam an Turnieren teilgenommen und unsere gesamte Freizeit unserem geliebten Hobby gewidmet. Als Holger aber auf der Bildfläche auftauchte, war dieser Teil meines Lebens jäh beendet, denn Holger war ein ausgesprochener Tanzmuffel. Der einzige Tanz, zu dem ich ihn jemals hatte bewegen können war ein (eineinziger!) Walzer auf unserer Hochzeitsfeier. Und da hatte er mir vorwiegend auf den Füßen gestanden ...

„Tja, das Tanzen gehört leider der Vergangenheit an! Allerdings würde ich eine Menge darum geben, wenn ich Holger zum Tanzen bringen könnte“, gab ich zu. Katrin grinste. „Warte nur ab, du hast ja bald Geburtstag“, sagte sie. Was sollte diese Bemerkung bedeuten? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Gestern, am Tag vor meinem Geburtstag, war ich einkaufen. Danach wollte ich noch in die Bücherei, zur Reinigung und zu meiner Mutter. Eine längere Abwesenheit also. Ohne Holger, natürlich, denn der saß ja in seinem Arbeitszimmer und hatte zu tun. Als ich im Supermarkt nach Oliven suchte (die ganz spezielle Sorte, die er so gerne mag), da fiel mir ein, dass ich diese besonderen Oliven kürzlich in einem kleinen Laden ein paar Straßen weiter gesehen hatte. Lose, nicht im Glas. Das wäre doch sicher etwas, was meinem Schatz noch besser schmecken würde als diese Fabrik-Oliven! Ich machte mich also auf den Weg. Kaum war ich zwei Straßen weiter, da sah ich ihn. Meinen Mann! Wieso war er nicht in seinem Arbeitszimmer? Gerade, als ich über die Straße zu ihm laufen wollte, kam Katrin, ging geradewegs auf ihn zu und - mir stockte der Atem- küsste ihn auf die Wange. Küsste ihn! Das war zu viel! Ich wollte mich zwischen die beiden werfen, schreien, zetern, spucken, ihnen meine Schuhabsätze in den Leib rammen, aber da verschwanden sie schon in einem Haus.

In mir loderte es. Mein scheinheiliger Mann! Schwört mir ewige Liebe, aber kaum bin ich aus dem Haus, da treibt er es mit einer anderen Frau! Noch dazu mit meiner besten Freundin Katrin!

Ich beschloss, mir das nicht bieten zu lassen. Ich sann auf Rache und schmiedete einen Plan. Ich musste nur noch eine kleine Besorgung machen.

Am Abend, als Holger vor dem Fernsehen saß, mixte ich ihm einen Drink. Whisky, Cola und ein bisschen Rattengift. Genug allerdings, um ihm den Rest zu geben. Er nahm das Glas mit einem Lächeln entgegen. „Danke, Schatz! Ich liebe dich!“, sagte er. Ja, ja, wer es glaubt ... Ich beobachtete, wie er trank, zu Boden ging, röchelte, zuckte und dann reglos da lag. Das ist deine gerechte Strafe, dachte ich, mich betrügt keiner!

Doch ich hatte auch mit Katrin noch ein Hühnchen zu rupfen. Am nächsten Tag, meinem Geburtstag, machte ich mich auf den Weg zu ihr. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte sie, als sie mich sah, und umarmte mich. Scheinheilige Gans!

Aber was sie dann sagte, ließ mir das Blut in den Adern erstarren.

„Na, was sagst du zu Holgers Geburtstagsüberraschung? Du bist sicher an die Decke gesprungen vor Freude! Und die ganze Zeit hast du nichts davon gemerkt, dass er heimlich mit meiner Hilfe tanzen gelernt hat."


Marena Stumpf 28.04.2007, 21.35

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Maria

Daraus lernt man es doch. Rache ist nichts gutes.

vom 23.02.2011, 01.12
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