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Ausgewählter Beitrag
Mingh Li
von Ulla Mangonz
Auf seinem Heimweg, nach einem ganz normalen Bürotag, kam Adrian durch die schmucke Lerchengasse. Hier sah er die exotische Schönheit zum erstenmal. Augenblicklich verzauberten ihn die großen dunkelbraunen asiatischen Augen. Ihr tiefschwarzes Haar hing bis auf den kleinen runden knackigen Po. Die sinnlichen Lippen forderten geradezu zum Küssen heraus. Rettungslos verfiel er diesem Engel. Deshalb suchte er unverdrossen immer wieder ihre Begegnung. Es funkte alsbald zwischen ihnen und nun wohnte Mingh Li schon seit gut drei Monaten bei ihm.
Nach seinem längeren unfreiwilligen Singledasein war Adi so glücklich wie nie zuvor. Die schöne Asiatin, der Wunschtraum aller Männer, redete fast nie. Sie stellte niemals unangenehme Fragen, war stets für ihn da, wenn er heimkam. Dann lauschte sie hingebungsvoll, ohne murren, seinen stundenlangen Tagesberichten. In der Liebeskunst zeigte sich die Kleine recht willig. Wie es schien, hatte Adrian wohl nun, nach mehreren fiesen Reinfällen, das große Los gezogen. Nun ja, manchmal wünschte er sich schon sie wäre etwas gesprächiger. Aber die beiden Liebesleute verstanden einander bestens auch ohne viele Worte, und wenn es ihn nach anregender Unterhaltung gelüstete, dann traf er sich mit Freunden zum Wein. An einem solchen Abend passierte ihm jener fatale Fehltritt:
Nach überaus reichlichem Weingenuss fiel ihm am Nachbartisch eine üppig ausgestattete langmähnige Blondine auf. Sie registrierte begeistert seine lüsternden Blicke und sendete ihrerseits unmissverständliche Signale. Gemeinsam trank man weiter, legte es auf Körperkontakte an, tauschte heiße Küsse miteinander und sie verließen weinselig Arm in Arm die gastliche Lokalität.
Adrian erwachte mit höllischem Hirnsausen in einem fremden Bett. Neben ihm eine reichlich ergraute, heftig zerknitterte, unbekannte Frau.
Zum heiligen Bimbam war da etwas gelaufen? Musste wohl, denn er lag völlig entblößt bei der nackten überreifen Kirsche.
Hastig stieg er in seine Hosen, stürzte mit Hemd und Schuhen in der Hand aus dem Haus. An der frischen Luft bemühte er sich einen klaren Gedanken zu fassen. Sollte er Mingh Li den verfluchten Seitensprung gestehen oder besser nicht?
Zu Hause empfing Li ihn wie gewöhnlich mit ihrem zuckersüßen Lächeln. Sein schlechtes Gewissen wurde gleich noch eine Spur schlechter. Er entschuldigte sich linkisch für sein nächtliches Versacken und setzte rasch hinzu er habe einen Bärenhunger. Stumm lächelte sie ihn verständnisvoll an. Kein einziges böses Wort kam über ihre Lippen, kein Vorwurf, nichts.
Während er in der Küche hantierte, lehnte sie lässig am Kühlschrank, sah ihm zu und ... lächelte. Warum blieb sie so, so beherrscht? Die ganze Nacht war er weggeblieben, aber sie machte keine Szene.
Plötzlich spürte Adrian unbändige Wut in sich aufsteigen. Niemals verlor Mingh Li ihre Kontrolle, zeigte keinerlei erkennbare Regungen, sie lächelte nur. Mit dem großen Küchenmesser hackte er genervt auf der wehrlosen Petersilie herum und begann dabei unverfroren von seiner Untreue zu erzählen. Lauernden Blickes schielte er zu ihr hinüber. Sie aber verharrte weiterhin in der gleichen Position, schaute ihn groß an und ... lächelte. Immer wilder hackte er auf das Grünzeug ein, sein Blut kochte vor Zorn.
„Sag endlich was``, brüllte er sie fast schon bittend an, „macht es dir überhaupt nichts aus, dass ich dich betrogen habe? Bin ich dir so egal?"
Selbst jetzt blieb die zierliche Frau total gefasst und ... lächelte. Das war absolut zu viel für den sensiblen Adi. In blinder Raserei stach er mehrmals auf die Reglose ein.
Ihre braunen Mandelaugen starrten den Mann traurig an, dann rutschte sie kraftlos in sich zusammen und glitt auf die kalten Fliesen.
Geistesabwesend beugte er sich über sie, als im selben Moment die Wanduhr zur achtzehnten Stunde schlug.
Verdammt, gerade jetzt begann das entscheidende Fußballspiel Deutschland - Italien. Wie in Trance ließ Adrian das Messer fallen und eilte den Fernsehapparat einzuschalten. Um nichts in der Welt wollte er das Finalspiel versäumen.
Nach dem spannenden Ballduell meldete sich sein Hunger mit Nachdruck, so lenkte Adi seine Schritte erneut zur Küche und stolperte prompt über die am Boden liegende Asiatin.
Kruzi Türken, was hatte er getan? Wie konnte er bloß so durchdrehen?
Mingh Li musste aus der Wohnung verschwinden, aber wohin mit ihr. Sachte spähte er in den Hausflur. Die Luft schien rein, er packte Li bei den Füßen und schleifte sie hinunter in den Keller.
Adrian war heilfroh als er Montagmorgen endlich wieder ins Büro gehen konnte. Wie üblich gab es am Wochenanfang viel Stress und Hektik. So vergaß er bis zum Feierabend sein widerliches Verbrechen. Doch wehe, als er in die Lerchengasse einbog, holte es ihn wieder ein. Abrupt verhielt er seine Schritte. Hier fand er sein Glück. Wie konnte er nur und wie sollte er ohne sie auskommen?
Plötzlich aber wusste er genau, was zu tun war.
Festen Schrittes betrat Adrian den Erotikshop und kaufte eine neue Mingh Li.
Marena Stumpf 27.10.2007, 22.02
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Kommentare zu diesem Beitrag



Eine neue Mingh Li kaufen..Hah! Richtig komisch...Ulla hat mit uns gespielt:P
vom 07.12.2010, 10.33