Marenas Musenstübchen
 





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Frühlingsboten


Die Vögel zwitscherten, ein Eichhörnchen huschte über den Weg und kletterte am Stamm einer großen Buche hinauf. Die Sonne schickte ihre ersten wärmenden Strahlen zur Erde und die Knospen an den Sträuchern ließen erahnen, in welcher Farbenpracht sie in nicht allzu langer Zeit die Wege des Parks zieren würden.

Einsam saß der alte Mann auf der Bank und hing seinen Gedanken nach. Gedanken, die ihn immer wiederkehrend bewegten. Gedanken, die ihn quälten und die ihn die Schönheit seiner Umwelt und den kommenden Frühling nicht wahrnehmen ließen. Er hörte den Vögeln nicht zu, er beobachtete das geschäftige Treiben des Eichhörnchens nicht und er fühlte auch die wärmenden Strahlen der Sonne nicht.

Er dachte daran, was er wohl in seinem Leben falsch gemacht hatte. Er war allein und niemand sorgte sich um ihn. Er hatte auch niemanden mehr, um den er sich sorgen konnte. Er hatte keinen, mit dem er ein Gespräch führen oder seinen Lebensabend genießen konnte.

Seine Frau war schon lange verstorben und sein Sohn war ins Ausland gegangen, da er in seinem Beruf keinen Job gefunden und sich ihm dort viel bessere Möglichkeiten boten. Mittlerweile war sein Sohn verheiratet und seit ein paar Jahren hatte der alte Mann sogar ein Enkelkind. Aber er hatte es noch nie gesehen und auch seinen Sohn und seine Schwiegertochter hatte er seit Jahren nicht gesehen. Ja, ab und zu bekam er mal einen Brief, aus dem er entnehmen konnte, dass es ihnen gut ging. Er war auch froh darüber und wünschte seinem Sohn von Herzen ein glückliches und erfülltes Leben. Auch er hatte früher ein erfülltes Leben. Er ging seiner Arbeit nach, hatte viele Arbeitskollegen, seine Familie und Freunde. Er führte ein aktives Leben. Manches Mal hatte er sich gewünscht, mehr Zeit zu haben. Zeit für sich persönlich. Zeit für Dinge, die er gerne tun würde und die immer zum Wohle anderer zurückstehen mussten.

Jetzt hatte er die Zeit, aber er war zu alt, um all diese Dinge zu tun, die er früher als so wichtig empfunden hatte. Und er war allein. Allein und einsam. Die Freunde, die mit ihm alt geworden sind, hatten ihre eigene Familie. Er wollte nicht stören.

Traurig blickte der Alte auf und bemerkte erst jetzt einen jungen Mann, der mit einem kleinen Mädchen sprach und dabei auf ihn zeigte.
Das Mädchen lief auf ihn zu, umarmte ihn und sagte: „Hallo Opa, ich bin Lara!“
Der alte Mann konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Ungläubig schaute er in das lachende Gesicht seines Sohnes, der nun auf ihn zukam. Innig umarmten sie sich, bevor sie gemeinsam nach Hause gingen.

Der alte Mann hörte das Gezwitscher der Vögel in den Bäumen und erfreute sich an den zaghaft aufspringenden Knospen der Sträucher, die den Weg säumten. Er blickte auf die Vielfarbigkeit der Krokusse, die auf einer großen Wiese blühten. Lächelnd hob er sein Gesicht, schaute der Sonne entgegen und ließ sich von ihrer Wärme umarmen. Der Frühling schickte seine ersten Boten.

März 2006 © Copyright Marika Krücken

Marena Stumpf 05.04.2007, 19.46

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