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Ausgewählter Beitrag
Eine ungewöhnliche Reise
Ich hatte vom Landleben endgültig die Nase voll. Ständig dieser elende Mief, der aus dem Kuhstall kam und die würzige Waldluft verpestete. Nein, ich hatte von diesem Ort die Faxen dicke! Mich zog es in die weite Welt hinaus und ich wollte es mir mal richtig gut gehen lassen.
Ohne lange zu überlegen flog
ich drei Stunden am Stück. Wohin die Reise gehen sollte, wusste ich selbst noch
nicht so genau. An einem Rastplatz, der an einem See gelegen war, legte ich eine Pause ein. Plötzlich bemerkte
ich, dass mich riesiger Hunger plagte. Ich ließ mich an einem noch nicht
abgeräumten Tisch nieder und bediente mich an den Resten eines Fleischklopses
und etwas angetrocknetem Brot. Zum Glück stand noch etwas Wasser in einem Glas,
mit dem ich meinen Durst löschen konnte. Ich verweilte ein bisschen und sah
einer großen Fontäne zu, die im hohen
Bogen Wasser in den strahlendblauen Himmel schoss. Die Wassertröpfchen schillerten
fantastisch in allen Regenbogenfarben, bevor sie wieder im See versanken.
Neugierig auf diesen schönen
Ort trieb es mich weiter. Mein Augenmerk fiel auf einen Wasserfall, der
kraftvoll von einer Mauer in einen felsendurchsetzten Bach hinabstürzte. Einige
Enten hockten am Rand und genossen dieses nimmer endende Szenario.
Nach diesem köstlichen Mahl
bemerkte ich erst, wie erschöpft ich von der langen Reise war und ich sah mich
nach einem ruhigen Plätzchen um, an dem ich ein ausgiebiges Nickerchen halten konnte.
Mit letzter Kraft krabbelte ich den Trampelpfad am See entlang, der zu einer einsam gelegenen Wassermühle führte.
Es war dort ganz still, nur das Summen der Bienen auf der Wiese war zu
vernehmen. Emsig flogen sie an jede zarte gelbe Blüte der Sumpfdotterblumen und
sogen genüsslich deren Nektar auf. So langsam fielen mir meine großen schwarzen
Augen zu. Erst das Schnattern der braunen Entenküken weckte mich wieder auf.
Es war immer noch sehr warm
und ich überlegte mir, wie ich es anstellen konnte, ein schönes Zuhause für
mich zu finden. Natürlich sollten meine Mitbewohner nett und ordentlich sein.
Eine Weile setzte ich mich auf eine Bank und beobachtete heimlich die Gäste des
Cafés. Sie schleckten Eis oder genossen ihren Kaffee und Kuchen. Eines war klar:
Zu einer Familie mit Kindern wollte ich nicht, denn diese quälten oftmals Tiere.
Mir fiel eine blonde Dame
auf. Sie bemerkte mich nicht und so hatte ich leichtes Spiel mit ihr.
Irgendwann stand sie vom Tisch auf und verschwand in einem Häuschen, das sich
neben dem Café befand. Ich folgte ihr unauffällig. Zu meiner großen
Überraschung hob sie ihren Rock und hockte sich auf eine Schüssel. Etwas
klapperte unter ihr. Als sie fertig war, erhob sie sich, drückte auf einen
Knopf, der auch prompt einen tosenden Wasserschwall auslöste. Ordentlich
richtete sie ihre Kleidung und verließ den kleinen Raum. Anschließend wusch sie
sich die Hände, schaute in den Spiegel und zog ihre Lippen kirschrot nach. Ach,
sie sah einfach umwerfend aus. Ich wusste sofort, diese war es und keine
andere. Ich folgte ihr ins Auto und setzte mich ganz still auf den Rücksitz.
Wir waren schon eine ganze
Weile unterwegs, als sie in einen holprigen Schotterweg einbog und danach eine
kleine Holzbrücke überquerte. Vor uns lag ein herrliches Anwesen. Die Frau parkte neben dem rot-weißen Haus und
stieg aus. Ich bemerkte im Garten sofort
den betörenden Duft der blühenden Pflanzen.
Während eines unbeobachteten
Moments nützte ich die Gelegenheit und folgte ihr ins Haus. Ach, wie gut es
hier roch, die sonnendurchflutete Küche ging gleich ins Wohnzimmer über und ich
musste nicht befürchten, dass mir jemand die Tür vor den Kopf knallte oder mich
womöglich aussperrte. Mir war klar: Ich hatte das große Los gezogen!
Es war schon recht spät und
mein Magen meldete sich. Das blonde Wesen summte eine liebliche Melodie in der Küche und bereitete das Abendbrot vor. Sie
war gerade dabei das Hackfleisch in einer Schüssel durchzukneten. Das war meine
Lieblingsspeise und nun hielt mich nichts mehr zurück. Alle meinerseits
getroffenen Vorsichtsmaßnahmen warf ich über den Haufen.
Just in diesem Moment drehte
sich die Frau um und holte etwas aus dem Kühlschrank. Ich stürzte mich gierig auf den Fleischklops und knabberte daran. Kurz
darauf traf mich ein gewaltiger Schlag von oben und bei mir gingen die Lichter
aus.
Mit zwei gebrochenen Flügeln
und einem geknickten Bein fand ich mich im Blumenbeet wieder. Schmerzgeplagt
hinkte ich durch die Gegend. Am Seerosenteich entdeckte mich ein alter Kumpel
und rief mir gehässig zu: „Nein, wen sehen meine entzündeten Augen? Da ist ja
mein alter Freund, Puck, die Scheißhausfliege! War wohl nichts mit einem
besseren Leben! Was?“
Auch ihn hatte das gleiche Schicksal ereilt. Gemeinsam saßen wir am Ufer und warteten darauf von einem Frosch erlöst zu werden.
(c) Marena Stumpf
Marena Stumpf 16.06.2008, 21.53
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Kommentare zu diesem Beitrag



Ist das eine wahre Geschichte? Klingt ein bißchen komisch ..
vom 25.03.2011, 11.25