Marenas Musenstübchen
 





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Ei, ei, ei, was schlüpft denn da




An einem ruhigen See, gleich hinter dem dichten Schilf, brütete die Stockente ihre elf grünlich-grauen Eier aus. Geduldig saß sie auf ihrem weich gepolsterten Nest und wartete darauf, dass ihre Küken schlüpften. Gelangweilt beobachtete sie die Umgebung und entdeckte auf einem Seerosenblatt einen Frosch, der regungslos ins Wasser starrte. „Hey, was machst du da – gibt es etwas Besonderes zu sehen?“, rief sie ihm neugierig zu.

Etwas verwundert drehte sich der grüne Frosch um und sah die braun-weiß gestreifte Ente an. Er blähte seinen Hals auf und quakte: „Tagchen, vor knapp siebzig Tagen habe ich meinen Laich im See abgelegt. Täglich gucke ich nach, was mein Nachwuchs macht.“

Die Ente klapperte mit ihrem gelben Schnabel und schnatterte: „Warum braucht dein Nachwuchs so lange? Du bist doch viel kleiner als ich, und was bitteschön ist Laich?“

Kopfüber sprang der Frosch vom seinem Blatt und ist mit kräftigen Stößen an Land geschwommen. „Quak, quak, das sind ganz viele winzige Froscheier, die ich im Wasser abgelegt habe. Zuerst ist der Laichklumpen bis auf den Grund vom See gesunken, nach ein paar Tagen quoll das Wasser die glibberigen Eier auf und sie stiegen an die Wasseroberfläche. Etwas ängstlich schlüpften die Larven und hielten sich an ihren klebrigen Hüllen fest. Zwei Wochen später verwandelten sich die scheuen Larven in Kaulquappen. Ich machte mir große Sorgen, weil sie Kiemen und Ruderschwänze hatten. Flink wie kleine Fische schwammen sie durch das Wasser. Sie sahen überhaupt nicht wie meine Kinder aus.“

Mit ihren runden braunen Augen sah die Ente den Frosch fragend an. „Schnatt, schnatt, willst du mir sagen, wenn deine Jungen geboren werden, dass sie noch keine richtigen Frösche sind?“
Der grüne Frosch hüpfte auf dem Gras noch ein bisschen näher zur Ente, damit er nicht so laut quaken musste. „Es ist ähnlich wie bei dir, Stockente, du legst ja auch erst deine Eier und brütest sie dann aus. Quak, quak, aber lasse mich weiter erzählen: In der Tat, bis die Kaulquappen zu richtigen Fröschen werden, dauert es sehr lange. Von Woche zu Woche veränderten sie ihr Aussehen, ständig waren sie hungrig und knabberten Algen und Wasserpflanzen an. Langsam bildeten sich ihre Kiemen und Ruderschwänze zurück. Nach fünf Wochen wuchsen an ihren pummeligen Körperchen kräftige Hinterbeine. Weißt du, die sind ganz wichtig, damit sie sich später an Land bewegen können. Immer öfter sah ich die Kaulquappen an der Wasseroberfläche nach Luft schnappen. Endlich begannen ihre Lungen zu arbeiten. Zum Glück veränderte sich auch ihre Kopfform und sie wurden mir immer ähnlicher. Ich habe mich richtig gefreut, als ich das sah. Ihre Vorderbeine müssen noch ein bisschen wachsen und kräftiger werden. Ich denke, in ein paar Tagen kommen sie ans Ufer gehüpft und du kannst meine Jungen aus der Nähe betrachten. Sage mal, Stockente, wie lange wird es bei dir noch dauern, bis deine Küken ihre Eier verlassen?“

Unruhig begann der Frosch seine Augen in alle Richtungen zu bewegen. Als eine Mücke genau vor sein breites Maul flog, streckte er, schwuppdi-wuppdi, seine klebrige Zunge heraus und schluckte das summende Insekt herunter.

Die Stockente stellte sich auf ihre orangefarbenen Watschelbeine und schüttelte kräftig ihr Gefieder, danach hockte sie sich wieder auf ihr Nest. „Ach, ich brüte auch schon sechsundzwanzig Tage. Vom vielen sitzen sind meine Glieder ganz steif geworden. Jetzt! Jetzt ist es soweit! Ich kann die Küken piepsen hören und sie picken kräftig von innen an ihren Schalen. Upps!“, schnatterte sie plötzlich ganz aufgeregt und unter ihrer Brust schaute neugierig ein kleines gelbliches Köpfchen hervor. Das Küken drängelte und strampelte so lange, bis es mit seinem flauschigen schwarz-braunen Körper vor seiner Mutter stand. „Schnatt, schnatt, schnatt, wo willst du denn so schnell hin, mein Kleines? Warte bis deine restlichen Geschwister geschlüpft sind, dann können wir einen Ausflug machen!“ Ganz vorsichtig schob die Stockente das Küken wieder unter ihren Flügel. „Danke, Frosch, dass du mir ein bisschen Gesellschaft geleistet hast. Du siehst ja selber, im Augenblick habe ich keine Zeit mehr mit dir zu plaudern. Jetzt muss ich mich erst einmal um meinen Nachwuchs kümmern.“

(c) Marena Stumpf




Marena Stumpf 19.04.2007, 15.28

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