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Ausgewählter Beitrag
Der Eichhörnchen-Kindergarten
Waghalsig tobten Wuschel und Puschel in der Baumkrone herum. Frau Eichhorn blieb vor Angst fast das Herz stehen. „Tjuk, tjuk, tjuk“, rief sie und trommelte dabei mit ihren Vorderpfoten gegen den Baumstamm. „Genug jetzt Kinder, heute ist euer erster Eichhörnchen-Kindergartentag, kommt vom Baum herunter und setzt euch zu uns auf die Wiese. Wir wollen anfangen!“ Zur Begrüßung schenkte sie jedem Eichhörnchen eine Haselnuss.
Kuschel mochte die Kindergärtnerin und setzte sich ganz dicht zu ihr. Er wollte alles über Eichhörnchen lernen und nicht so wild herumtollen, wie seine Brüder.
„Hat denn jemand eine Frage?“, wollte Frau Eichhorn von ihren Schützlingen wissen.
Die rothaarige Wally meldete sich: „Wachsen wir Eichhörnchen auf dem Baum oder woher kommen wir?“
Frau Eichhorn schüttelte ihren Kopf und streichelte sich mit ihren Fingern über ihr weißes Brustfell. „Nein, Wally, eure Muttis haben euch ausgetragen. Ihr seid ganz winzig, nackt und blind in einem kuscheligen, warmen Nest zur Welt gekommen.“
„Genau – und dann haben wir ganz viele Nüsse gegessen, das weiß ich noch ganz genau, denn ich habe meiner Mutter immer die Vorräte stibitzt“, sagte Wuschel etwas vorlaut.
Kuschel sah Frau Eichhorn etwas verlegen an. „Ich glaube, unsere Mutter hat uns gestillt und erst später, als wir drei Monate alt waren, konnten wir Nüsse knabbern.“
„Du hast gut aufgepasst Kuschel! Zur Belohnung bekommst du ein paar Beeren von mir geschenkt“, lobte ihn Frau Eichhorn.
Wuschel zog Puschel an seinem roten, buschigen Schwanz. Er schrie: „Autsch! Lass´ das, das tut doch weh! Soll ich mal bei dir ziehen, damit du siehst wie schlimm das ist?“, schimpfte Puschel mit seinem übermütigen Bruder.
Frau Eichhorn versuchte die Situation zu retten und fragte: „Wer weiß denn, warum eure buschigen Schwänze so lang sind?“
Naseweiß antwortete Wuschel: „Damit ich Puschel besser dran ziehen kann!“
Jetzt musste auch Frau Eichhorn über die Jungen lachen. „Nein, eure Schwänze dienen als Ruder, ihr könnt euren weiten Sprung damit viel besser steuern und landet genau dort, wo ihr hin wollt.“
Puschel und Wuschel jagten sich schon wieder. „Also, gut ihr Zwei“, sagte die Kindergärtnerin, „zeigt uns bitte einmal wie ein richtiges Eichhörnchen läuft.“
Übermütig tollten die beiden über die Wiese, und schlugen Purzelbäume.
„Nein, nein, doch nicht so! Setzt euch bitte wieder hin, Kinder. Ich mache es euch vor!“
Frau Eichhorn lief ein paar Schrittchen, auf allen Vieren, und richtete sich wieder auf. Sie tat so, als ob sie nach Gefahr Ausschau hielt, dann rannte sie wieder ein kleines Stückchen weiter, hielt erneut Ausschau und guckte sich nach allen Seiten um.
„Und, wozu soll das gut sein?“, fragte Wuschel trotzig. „Ich kann so schnell rennen, wie ich will.“
„Wenn ihr euch umdreht, dann beobachtet ihr kurz die Umgebung“, versuchte Frau Eichhorn zu erklären. „Solltet ihr wirklich in Not geraten, dann könntet ihr euch noch rechtzeitig verstecken. So wie Wuschel durch die Gegend saust, merkt er überhaupt nicht, wenn über ihm ein Greifvogel kreist, und ihm ans Fell will.“
„Siehst du, Wuschel, das hat uns die Mutter auch schon erklärt“, antwortete Puschel und drehte sich beim Laufen etwas ängstlich um.
Frau Eichhorn rannte hinüber zu einem Baum und winkte die Kleinen zu sich.
„Vorhin hatte ich lauter leckere Sachen versteckt. Wo würde ein Eichhörnchen zuerst suchen? Was meint ihr wohl?“, fragte sie die Kleinen.
Neugierig flitzten Wuschel und Hazel den Baumstamm hoch. Hazel rief zuerst: „Ich habe ein Nest mit Beeren in der Astgabel gefunden!“ Gleich darauf meldete sich Wuschel: „Oh, wie lecker! Ich habe Samen in der Baumhöhle entdeckt, darf ich die futtern?“
Kuschel blieb lieber in der Nähe von Frau Eichhorn und suchte die Baumwurzeln ab. Stolz hielt er ein paar Haselnüsse in seinen roten Händchen. Auch Puschel ist im Erdloch fündig geworden und knabberte zufrieden an seinen Wallnüssen. Mit vollem Mäulchen fragte er: „Frau Eichhorn, ist es schlimm, wenn ich vergesse wo ich meinen Vorrat eingebuddelt habe?“
„Aber nein Puschel, mit etwas Glück keimt der Samen in der Erde, und nächstes Jahr wächst ein neues Bäumchen oder ein kleiner Haselnussstrauch daraus. Jetzt ist es aber Zeit für euren Mittagsschlaf. Eure Muttis warten schon hinter der Hecke auf euch. Bis morgen, Kinder!“
(c) Marena Stumpf
Marena Stumpf 06.04.2007, 07.11
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